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Back in the day…
Sonntag, 28. Februar 2010, 23:52

Früher war alles besser anders. Finde ich. Ist mir aufgefallen, als ich in letzter Zeit häufiger mit meiner Grundschul/Unterstufen-Zeit konfrontiert wurde. Zum Beispiel gestern, als ich beim Ausmisten mein altes Super-Nintendo gefunden habe, das ich – so habe ich beschlossen – demnächst wieder in Betrieb nehmen will, um mich beim Donkey-Kong-Zocken in 2D an jene glorreichen Nachmittage in der vierten Klasse zu erinnern, als die Welt noch heil und nicht von bösen Ereignissen wie Abitur und Studium getrübt war, die ihre langen Schatten vorauswerfen. Alles was mich davon abhält ist das fehlende Verbindungskabel, das ich damals in einem Anfall kindlicher Dummheit verkauft hatte, nachdem ich der Meinung war “Jetzt wo ich eine PlayStation 2 habe brauche ich doch kein Super Nintendo mehr!” (so viel zum Thema “Früher war alles besser” *hust*).

Allgemein hat mich die geistige Entwicklung, die ein Mensch zwischen 12 und 18 durchmacht, irgendwie erstaunt. Ich bin bei oben erwähntem Ausmisten nämlich nicht nur auf mein Super Nintendo gestoßen, sondern auch auf ein Haufen Heftaufschriebe aus der sechsten bis neunten Klasse. Abgesehen davon, dass ich extremst darüber verwundert war, dass ich in der neunten Klasse in Deutsch noch Aufsätze von 2,5 Seiten Länge abgegeben habe (mittlerweile bin ich bei 11 Seiten o.O – zugegebenermaßen mit mehr Zeit) – und dafür auch noch eine 1 bekommen habe – haben mich insbesondere meine Aufschriebe und Aufsätze aus der sechsten Klasse amüsiert. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass mein Weltbild damals noch so beschränkt war. Das Wort “naiv” sei an dieser Stelle mal vermieden; wir haben uns in Psychologie darauf geeinigt, dass “naiv” erwachsene Menschen bezeichnet, die sich wie Kinder benehmen, und ich war damals ja ein Kind. Wie auch immer, ich hoffe nur, dass ich in 6 Jahren nicht ebenfalls zurückblicke und mir denke “Gott, wie blöd warst du denn eigentlich damals?!”. Denn dann zieht die Entschuldigung “Ich war ja noch ein Kind” nicht mehr wirklich o.O

Ähnlich ging es mir, als ich diese Woche einen Stapel alter Disketten aus dieser Zeit (ca. 2002-2004) gefunden habe (ja, ich glaube es war große “Finde-alten-Plunder”-Woche). Wirklich sehr lustig zum Teil. Vielleicht sollte ich auf Facebook die Gruppe “The feeling when you want to travel back in time and kick your younger self in the nuts” gründen; ich bin mir sicher, ich würde viele Gleichgesinnte treffen. Denn zum Teil ist mir wirklich unverständlich, was damals in meinem Kopf vor sich ging. Da wurde bei Word-Dokumenten für die Schule die Schriftart kurzerhand auf 18 hochgedreht, nur um dann behaupten zu können “Ich habe eine ganze Seite geschrieben! *rumprolet*. Oder bei den Versuche, “ein Buch zu schreiben” *hüstel und vor Scham rot anlauf* kurzerhand von den Namen bis zur Story alles zusammengeklaut; fest in dem Glauben, das sei Kreativität. Nicht, dass das heute anders wäre, die Ideen für meine BK-Bilder klaue ich mir auch heute noch im Internet zusammen, allerdings rühre ich ein bisschen Eigeninitiative unter und vermische das mit mehreren anderen “Inspirationsquellen”, so dass  nicht ganz so krass auffällt, wo ich mir Ideen “ausgeliehen” habe.

Oh, und wo wir vorhin das Wort “rumproleten” hatten. Das gab’s früher auch nicht, ist aber heute irgendwie gang und gäbe geworden. Genauso wie “fremdschämen”. Wobei ich letzteres wirklich für einen sinnvollen Neologismus halte, da “sich für jemanden schämen” meiner Meinung nach voraussetzt, dass man jemanden persönlich kennt, beziehungsweise dass die Gefahr besteht, dass das peinliche Verhalten eines anderes auf einen selbst zurückfällt, wohingegen fremdschämen diese persönliche Beziehung nicht voraussetzt. Zum Beispiel fremdschäme ich mich gelegentlich beim Scrubs-Gucken, wenn J.D. mal wieder in irgendein Fettnäpfchen tritt – obwohl mir das ja im Grunde egal sein könnte, weil dieses Verhalten ja sicher nicht auf mich zurückfallen wird. Naja, soviel dazu mal.

So, und zum Schluss nochmal was, das wirklich in die Kategorie “war früher besser” fällt: TV-Serien für Kinder. Mein Gott, was habe ich das Super RTL Programm früher geliebt, mit Sendungen wie Gummibärenbande, Käpt’n Balu und seine tollkühne Crew, Chip und Chap, DuckTales, Darkwing Duck, Goofy und Max, Mighty Ducks, Arielle… und wie sie alle hießen. Ich war süchtig danach. Süchtig. Und heute? Da wird im Grunde nur noch Scheiße produziert, ich sage nur Hannah Montana oder JONAS – Die Serie. Kein Wunder, dass unsere Jugend zu verblöden scheint, wenn ihr statt harmloser aber dafür qualitativ hochwertiger Zeichentrick-Serien irgendwelche Pseudo-Reality-Mist vom Fließband vorgesetzt wird. Ich mein, Leute, ganz ehrlich: An amerikanischen High Schools geht es nunmal nicht zu wie bei High School Musical. Das ist auch nur eine Schule, und in eine Schule geht man in allererster Linie, um dort etwas zu lernen, und nicht um zu singen und zu tanzen (es sei dann, man geht auf eine Waldorf-Schule *scnr*).

Aber gut, so wandeln sich die Zeiten. Was zu meiner Zeit Harry Potter war, ist heute Twilight. Super Nintendo ist PlayStation 3, Kassette ist iPod und VHS ist Bluray. Tempora fugant, wussten schon die alten Römer. Nichtsdestoweniger werde ich, wenn ich jemals Kinder haben sollte, mir den ganzen alten Super RTL Kram auf DVD oder Bluray oder was auch immer dann das Format der Zeit sein wird, besorgen und die das gucken lassen. Denn an die große Wende in Sachen televisionäre Verblöden glaube ich zumindest nicht mehr.

Soweit mal die kleine Rückschau auf those good ole days. Eigentlich wollte ich ja was über den neuen Journalisten-Sport “Eliten-Bashing” schreiben, das kommt dann vielleicht nächsten Monat ;-)


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