
OH. MEIN. GOTT. Diese drei Worte gingen mir durch den Kopf, als ich am Mittwoch den Kinosaal verließ, wo gerade auf der Leinwand Hitler und seine Schergen ihr Ende in einem gigantischen Feuerball gefunden hatten und der Zweite Weltkrieg bereits 1944 zu Ende gegangen war.
Ich will jetzt hier keine detaillierte Filmanalyse schreiben, ganz einfach weil der Film durch seinen provozierenden Inhalt bereits an andereren Stellen hinlänglich behandelt wurde und ich mir nicht erdreisten will zu behaupten, ich hätte noch Wesentliches und bislang Ungesagtes hinzuzufügen. Deswegen einfach nur mal ein paar Kommentare zu einzelnen Aspekten:
Musik:
Der Soundtrack war auf jeden Fall absolute Spitzenklasse, aber das ist man von Tarantino ja eigentlich schon gewohnt. Auch wenn er die Musik nur von anderen Filmen zusammenklaut, passt hier einfach jeder Song perfekt. Das fängt bei seiner Version von Beethovens Für Elise an und endet bei David Bowies Putting out the fire (with gasoline). Schade, dass es mit dem Oscar vermutlich eher schwierig wird, weil der für die Beste Filmmusik ja meistens als Best Original Score vergeben wird und wir hier ja leider nicht von einem Original sprechen können.
Schauspiel:
Hier kann ich mich nur der allgemeinen Kritik anschließen, die Christoph Waltz alias SS-Standartenführer Hans Landa mit Lob überschüttet und nach dem Oscar schreit. Am Anfang war ich ja etwas skeptisch, da das Schauspiel durch die nie gebrochene Höflichkeit Landas zunächst einmal leicht affektiert wirkt; doch zum Schluss (Stichwort: “Bingo”) war ich von der Leistung einfach nur noch beeindruckt! Dieser Academy Award muss nach Österreich!
Was den Rest angeht, nun gut. Brad Pitt wirkt als Aldo Raine schon überzeugend und hat die gewisse Lässigkeit, die es für die Rolle einfach braucht. Diane Kruger spielt ganz passabel, die Show kann die den Vorgenannten aber nicht stehlen. Genauso verhält es sich mit Mélanie Laurent, die die Rolle der Shosanna zwar glaubwürdig und hinreichend rachelustig spielt, durch ihr konsequentes Französisch aber die Aufmerksamkeit von sich selbst weg auf den Untertitel hin lenkt. Jedenfalls war das bei mir so, denn ich bin besagter Sprache nicht mächtig…
Drehbuch:
Die Story sollte ja hinreichend bekannt sein. Und viel gibt es da auch nicht zu sagen. Klar, das Ganze ist historisch höchst unkorrekt und vermutlich auch nicht gerade realistisch, aber wen interessiert das bitte?! Wer sich “Inglourious Basterds” von Quentin Tarantino anguckt und dann erwartet, dass er ein Stück wahre Geschichte geliefert bekommt, hat doch sowieso einen an der Meise. Der Film unterhält doch gerade weil er eine alternative Vorstellung von Hitlers Ende entwirft und man sich am Ende wie ein Kind am Weihnachtsabend freut, wenn das Kino in die Luft geht und die ganzen elenden Nazis dabei draufgehen. Ich denke mir nur: Wer die achtundrölfzighunderste Darstellung eines gescheiterteten Attentats sehen will, soll sich doch Operation Walküre mit Sektenguru Tom Cruise reinziehen.
Gesamteindruck:
Tja, Tarantino eben. Trashig und mit einer ordentlichen Portion sinnloser Gewalt. Wobei sie hier nicht mal so sinnlos war, immerhin spielt der Film ja im Krieg und diese ganzen “Don’t fuck with me”-Basterd-Charaktere wirken ja nur deshalb so hart, weil sie eben keinerlei Skrupel haben, jemanden mit dem Baseballschläger den Schädel einzuschlagen oder in einer Bar voller Nazis eine Schießerei anzufangen.
Mir hat es jedenfalls gefallen. Klar, auch ich habe einige Kritikpunkte, zum Beispiel fand ich die Kellerlokal-Szene viel zu lang und ab einem gewissen Punkt nur noch nervig. Dafür ist das von einigen Kritikern angestimmte Gejammer, der Film sei nur ein blutig-makabrer Scherz, der das Schicksal der Juden für niedere Zwecke (sprich Unterhaltung) missbraucht, halte ich dagegen für ausgemachten Stuss:
Ich meine, inwiefern wird denn das Schicksal der Juden hier missbraucht? Am Anfang wird eine jüdische Familie erschossen – das dürfte im Dritten Reich aber in der Tat passiert sein. Der restliche Film entwirft dann jedoch ein fiktionales Schicksal, in dem die Juden Rache an ihren Mördern üben, indem sie Hitler und den Rest der Nazi-Schweine zur Hölle schicken. Tut mir leid, aber ich verstehe unter Missbrauch etwas anderes. Missbräuchlich wäre es für mich zum Beispiel gewesen, wenn das Leid der Juden auf irgendeine Art und Weise kommerzialisiert und voyeuristisch zur Schau gestellt worden wäre. “Inglourious Basterds” jedoch bleibt für mich eine Rachephantasie, die allein deshalb schon nicht wirklich missbräuchlich sein kann, weil sie sich gar nicht um die realen Begebenheiten schert. Filme haben schon immer fiktionale Inhalte gehabt, und wer heute Leute ins Kino locken will, muss eben auf die eine oder andere Art provozieren.
Naja, so weit mal meine bescheidene Meinung dazu. Wie gesagt, ich fand den Film gut und würde ihn jedem empfehlen, der es ertragen kann, wenn auf der Leinwand Leute verstümmelt und skalpiert werden (letzeres fand ich selbst nämlich schon ziemlich … widerlich).
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“…und man sich am Ende wie ein Kind am Weihnachtsabend freut…”
Ähm. Okay. Ich nehme an, ich hatte nicht genug Abstand, um mich wie ein Kind am Weihnachtsabend zu freuen, wenn Gleiches mit Gleichem vergolten wird und noch ein Funken Realität drin steckt.
Mit Diane Kruger ist das so eine Sache… ich hab ein paar Mal gelesen, die Rolle sei grandios falsch besetzt gewesen. Ich finde ja auch, dass man die Rolle mit jemandem hätte besetzen können, der schauspielern kann, aber ich fand es beeindruckend, wie Quentin Tarantino es schafft, sogar einen Zombie wie diese Frau aussehen zu lassen, als hätte sie tatsächlich einen Puls.
Und die Kellerlokal-Szene halte ich ja für den ultimativen Höhepunkt in Tarantinos Serie von fast, aber nur fast unerträglich langen Tischszenen xD
Umm, okay, vielleicht war das mit dem “Kind am Weihnachtsabend” ein wenig übertrieben, aber ich muss schon zugeben, dass ich mit den Basterds mitgefiebert habe und stets in Sorge war, dass ihr Plan und der von Shosanna sich in die Quere kommen und am Ende keiner Erfolg hat… Als das Kino dann schlussendlich in Flammen aufgegangen ist, fiel diese Spannung natürlich ab.
Lust, das Drehbuch zum Film (auf deutsch) zu lesen?
Ich weiß nicht, ob ich in absehbarer Zeit dazu kommen würde, aber prinzipiell: sicher, warum nicht?