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There you go again…
Mittwoch, 19. Mai 2010, 23:09



Das große Coming-of-Age-Sinnkrise-Spezial
Sonntag, 2. Mai 2010, 23:27

Ja, ich weiß, ich habe hier schon wieder länger nichts geschrieben. Was möglicherweise daran liegt, dass ich mittlerweile den Sinn dieses Projektes hier anzweifle. Blogs sind doch mittlerweile mehr oder weniger zum Arschgeweih des Internets geworden. Es gab eine riesige Modewelle (die mittlerweile im Wesentlichen vorbei ist), plötzlich hatte jeder einen und es war voll cool, selbst “Content” zu produzieren. Dass dieser Content in 95% der Fällen aus irrelevantem Scheiß wie dem eigenen Mittagessen bestand, muss an dieser Stelle eigentlich nicht erwähnt werden. Abgesehen davon, dass die meisten Leute, die ihren Blog zum multimedialen Schaufenster in ihr Leben verwandelt haben, mittlerweile bei Twitter oder ähnlichem gelandet sind, stellt sich mir an dieser Stelle in meinem Leben die Frage, was ich mit dieser Webseite eigentlich bezwecke, und ob es sinnvoll ist, sie in der aktuellen Form weiterzuführen.

Seitdem ich die Domain besitze – mit der .de.be-Vorläufervariante dürften das mittlerweile doch gut und gerne sechs Jahre sein – haben sich die Inhalte hier doch ziemlich stark gewandelt. Ganz am Anfang war das hier mal eine Seite, die sich ganz meinen Lieblingsbüchern widmete; daher auch der Titel “the bookworm”. Damals noch ganz klassisch im Web 1.0 Stil, mit Frames, schwarzem Hintergrund und grüner Schrift in Comic Sans MS. Also genau die Art von Webseite, die ich heute ziemlich unabhängig vom Inhalt nach etwa einer Sekunde schließen würde. Etwas später konzentrierte ich mich dann ganz auf Harry Potter; eine Zeit, von der ich bis heute insofern profitiere, als [*]  sich durch die ganzen Interviews, die ich damals übersetzt habe, mein ursprünglich ziemlich bescheidenes Englisch deutlich verbesserte. Joah, und vor circa zwei Jahren bin ich dann bei eben diesem Blog gelandet, den ich jetzt gerade etwas in Zweifel ziehe.

[*] = laut Bastian Sick  (Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod) darf hier kein dass stehen, auch wenn es so ziemlich hässlich klingt.

Da mir aber zur Zeit irgendwie keine rechte Alternative einfallen will, werde ich den Blog in seiner aktuellen Form eben mal wieder für das benutzen, wofür er schon die letzten ca. 30 Monate herhalten musste: als meine geistige Müllkippe und als Dokumentationsstätte meiner Persönlichkeitsentwicklung (tolles Wort übrigens. Habe das die Woche mal wegen einer anstehenden Psychologie-Klausur gegoogelt. Man landet echt nur bei irgendwelchem Esoterik-Scheiß oder  dubiosen Personal-Trainer-Angeboten…).

Und da hat sich dann durchaus ganz schön was entwickelt. Und vor allem: es entwickelt sich immer noch. Das kann man sogar in Zahlen festhalten: Ich werde nächste Woche 18. Genauer gesagt, heute in einer Woche. Am Muttertag. Abgesehen davon, dass es meiner Meinung nach wohl keinen beschisseneren Tag im Jahr gibt um 18 zu werden als den Muttertag, stelle ich mir seit geraumer Zeit die Frage, was das denn eigentlich für mich konkret bedeutet. Ich meine, ich profitiere auf keine der üblichen Weisen übermäßig von meiner bevorstehendem Volljährigkeit. Ich rauche nicht, und habe auch kein Interesse, das zu ändern. Ich trinke keinen Alkohol, immer noch nicht, und auch hier sehe ich keinerlei Handlungsbedarf. Im Weiteren habe ich auch nicht vor, mir Feuerwerkskörper zu kaufen. Oder Waffen. Oder Pornos. Oder irgendwelche anderen Dinge, deren Erwerb das vollendete 18. Lebensjahr voraussetzen. Außerdem hasse ich Weggehen, jedenfalls wenn da zu viele Menschen sind, die ich nicht kenne. Egal ob Kneipe oder Disco – ich will da nicht hin, und schon garnicht länger als bis 24 Uhr. Filme, die ab 18 freigegeben sind, gucke ich auch selten, denn mittlerweile wird ja selbst ein Quentin Tarantino so zusammengeschnitten, damit man einen blauen FSK16-Stempel kriegt.

Dafür bringt die Volljährigkeit auch so einige Nachteile mit. Zum Beispiel will der Arzt ab sofort 10 Euro von mir, wenn ich da antanze; selbst wenn ich die alljährlich mindestens einmal fällige Diagnose Streptokokken-Tonsillitis (= Mandelenztündung) mittlerweile selbst stellen kann und da nur noch hinmuss, um das Rezept für das Antibiotikum abzuholen.  Außerdem bin ich dann ja voll strafmündig. Nicht, dass ich vorhätte, jemanden umzulegen, aber der Gedanke an maximal zehn Jahre Jugendstrafe war doch manchmal ganz tröstlich, wenn es nach einem langen Kampf gegen die Zickereien von Outlook 2007 in meinen Träumen mal wieder von rostigen Nägeln, Kettensägen, dunklen Verliesen und Microsoft-Mitarbeitern nur so wimmelte…

Außerdem gibt es jetzt wieder einen Haufen Papierkram, weil jeder Laden, von der Bank bis zur Krankenversicherung, jetzt einen neuen Vertrag braucht der auf meinen Namen läuft -.- Die einzigen beiden Sachen, die die Volljährigkeit ernsthaft interessant machen, sind das Autofahren und das Recht zu wählen. Da die nächste Wahl aber erst 2011 (Landtagswahlen) beziehungsweise 2013 (Bundestagswahlen) ist, nützt mir das erst mal gar nichts. Und das mit dem Autofahren ist auch so eine Sache. Ich habe zwar offiziell seit August den Führerschein, oder wie auch immer diese hässliche kleine rosa Zettel auf korrektem Beamtendeutsch heißen mag, allerdings würde ich nicht behaupten, dass ich fahren kann. Und schon gar nicht mit unserem Auto, das nicht mal eine anständige Handbremse hat und außerdem ein Benziner ist, der mit Gas angefahren werden will (was man mir in der Fahrschule gnädigerweise nicht beigebracht hat). Ich werde mich jedenfalls ganz sicher nicht mit 18 alleine auf die Straße trauen, dazu hänge ich doch zu sehr an meinem Leben, beziehungsweise fühle mich der Gesellschaft zu sehr verpflichtet, als dass ich das Leben Unschuldiger wissentlich aufs Spiel setzen würde.

Damit bleibt dann als zentrale Frage dieses Coming-of-Age-Krise-Spezials: Was habe ich überhaupt davon, wenn ich 18 werde?! Fühlt euch dazu aufgefordert, mir diese Frage in den Kommentaren zu beantworten.

Ich habe vorhin mal aus Spaß gegoogelt, was man denn nach gängiger Meinung so vor seinem 18. Geburtstag so alles auf die Reihe bekommen haben sollte. Einiges, zum Beispiel stubenrein werden, Sprechen, Lesen und Schreiben lernen sowie einen ersten Schulabschluss erwerben, habe ich ja schon geschafft. Anderes, wie die erste Freundin und den ersten Kuss, noch nicht. Mal sehen, ob ich das in den kommenden 18 Jahren auf die Reihe bringen werde. Wenn nicht, auch nicht schlimm. Ich werde vermutlich sowieso mal einer dieser Workaholics, die mit 35 an einem Herzinfarkt sterben, weil sie das Wort “Erholung” nur noch aus den Urlaubsgeschichten der Kollegen kennen.

Wie auch immer, ich hatte eigentlich gehofft, dieser Blogeintrag würde mir ein wenig dabei helfen, das Gedankenchaos in meinem Kopf etwas zu ordnen. Warum das nicht geklappt hat, weiß ich auch nicht so recht. Vielleicht sind der Schatten drohender Volljährigkeit, ein voller Klausurenkalender und das Herannahen meines zweiten Amerikaaufenthaltes einfach zu viel, um in einem Blogeintrag bewältigt zu werden…

Dewegen an dieser Stelle: macht’s gut. Wenn ich mich das nächste mal hier melde, sitze ich wahrscheinlich auf der anderen Seite des großen Teichs. Ich weiß zwar noch nicht genau, ob ich wieder so blogge wie letztes Jahr (hat mir ehrlich gesagt doch etwas zu viel Zeit weggefressen), oder ob ich einen Videoblog mache oder irgendwas anderes, aber irgendwie werde ich mich schon melden.