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Vorweihnachtswhat?!
Montag, 30. November 2009, 22:59

Achtung: Der folgende Artikel kann unter anderem Spuren von Frust, Zynismus, einem misantrophischen Weltbild und Erdnüssen enthalten.

Es kotzt mich an. Alles. Schule. Leben. ALLES! Neun verdammte Klausuren bis Weihnachten. Davon drei allein diese Woche -.-’

Morgen Sport. Wer denkt sich das eigentlich aus?! Irgendwelche Pappnasen-Sportler in weißen Kitteln, die ganze Bücher voller Glückskeksweisheiten a la “Jede Bewegung erfordert Kraft” schreiben und das dann eine Wissenschaft nennen. Bah, nee, ich krieg zu viel. Übermorgen BK. Sechsundrölfzigtausend Merkmale aller Epochen zwischen Gotik und dem Tag, als der Mensch das Rad erfand; jedenfalls kommt es mir so vor. Archaisches Lächeln, romanische Gottesburg – so interessant es auch sein mag, ich will dieses Zeug nicht auswendig lernen müssen!

Und am Freitag dann Geschichte. Das kann ja auch was werden. Diese Laberfächer. Das war mal meine Spezialität, damals, als man es mit einer guten Allgemeinbildung und etwas angelesenem Fachwissen zum Thema noch zu etwas brachte. Jetzt heißt es ja nur noch “erörtern Sie hier”, “interpretieren sie da”, “machen Sie sich eigene Gedanken zu sell und jenem”. Meine Fresse, wenn ich mir alles aus den Fingern sauge, woher kommt dann der Maßstab für eine objektive Korrektur?!

Aber dass es auch mit einem objektiven Maßstab beschissen laufen kann, hat ja die Wirtschafts-Klausur eindrucksvoll bewiesen: fabulöse 12 Punkte, und damit einer der vier Klassenbesten. Na super. Und das nur, weil das Geschriebene letztlich einen Dreck gezählt hat, da bei der Korrektur nur abgehakt wurde, ob bestimmte Stichwörter vorhanden sind, die auf einem – vermutlich nach der Klausur entstandenen – Erwartungshorizont standen. Thema verstanden? – Wen interessiert’s, Hauptsache einen formal korrekten Einleitungssatz beim Operator “Herausarbeiten”.

Meine Güte, wirklich. Und in den anderen Fächern geht es ja gerade so weiter. Keine Klausur mehr, mit der ich wirklich zufrieden bin. Vierzehn Punkte in Deutsch, ja am Arsch, warum quäl ich mich denn dann überhaupt durch den Kohlhaas?! Wenigstens die 15 Punkte für meine Oscar Wilde-GSL in Englisch haben den Aufwand dafür einigermaßen entschädigt. Das Klausurergebnis steht allerdings noch aus; und wenn auch nur der geringste Zweifel besteht, dass das in Bezug auf das Zeugnis unzufriedenstellend sein könnte, werde ich jegliche Bemühungen, “loud and clearly” zu sprechen, sofort wieder einstellen. Ist doch nicht mein Problem, wenn die gute Frau die Sprache, die sie studiert hat, nicht versteht o.O

Ich glaube ja, dass das alles an diesem nervigen Kerl liegt, der jeden morgen im Bus sitzt und alle anderen Anwesenden mit Geschichten aus seinem beschissenen Leben “erfreut”. So strunzblöd wie dieser … Mensch ist, macht der wahrscheinlich eine Berufsausbildung zum Betriebsdeppfachangestellten, weil es zum Vollidioten nicht gereicht hat. Ich bin mir geradezu sicher, dass dieser Kerl mein Karma negativ beeinflusst und für die allgemein beschissene Gesamtsituation überhaupt erst verantwortlich ist. Was wundere ich mich auch, wenn bei der Präsenz dieser ganzen kognitiv zu früh abgebogenen Vollspaten (es gäbe nämlich noch mehr Geschichten, aber die erspare ich mir  und euch an dieser Stelle) auch meine intellektuellen Leistungen zu kränkeln beginnen?

Jop. Und bei diesem riesigen Haufen nervendem Scheiß, der sich mein Leben nennt, soll man dann am besten auch noch froh und munter sein und fröhlich vorweihnachtlich gestimmt über Weihnachtsmärkte bummeln und Geschenke kaufen. Vergisses. Geschenke werden dieses Jahr im Internet bestellt, da habe ich wenigstens keine Rennerei. Und Weihnachtsmärkte sind, wenn man nichts für Glühwein übrig hat, sowieso nur ein widerliches Kommerzfest, bei dem man vom Staubsauger bis zum Falafel alles kriegen kann, was dem Volk das Geld aus der Tasche lockt. Wahrscheinlich findet man sogar einen Sklavenhandel, wenn man nur lang genug sucht.

Yussufs Dönerbude reiht sich neben Rudis Raubkopienkiste, Sylvie’s esoterischer Stein-Shop (mit fettem Deppenapostroph, versteht sich) neben dem billigen Modeschmuck-Made-in-China-Ramsch-Stand… es ist ein Fest, aber sicherlich nicht das der Liebe und des Friedens. Eher eins des ungläubigen Staunens über das, was im crashgebeutelten Kapitalismus anno 2009 eben möglich ist. Ich glaube, wenn ich irgendwann mal Herrn Schäuble mit seinem dämliche Gerede vom Kampf gegen den Terrorismus treffe, dann sage ich ihm, dass er mit seinem Kampf gerne auch beim Konsum-Terror in der Vorweihnachtszeit anfangen könnte.

Klar, es ist jedes Jahr die selbe Leier. “Wäh, Scheiße, Nikoläuse und Lebkuchen im August, schon im Herbst sind alle Schaufenster voll mit Kunstschnee, scheiß Kapitalismus, blaah”. Na und, es ist ja die Wahrheit, und weil mir gerade sowieso alles kräftig auf den Sack geht, darf ich auch darüber meckern.

Wenn ich schon mal dabei bin, könnte ich ja auch mal über das Wetter meckern. Tu ich aber nicht, denn im Grunde mag ich so verregnete, depressive Mistwetter-Tage nämlich. Ich könnte auch über die Politik reden, aber das ist ja noch sinnloser: Die Wahl liegt zwei Monate zurück, und außer der Tatsache, dass man Frau von der Leyen endlich ein Ressort gegeben hat, das dermaßen darnieder liegt, dass selbst sie nichts mehr kaputt machen kann, und dem Fakt, dass unser Bundespräsident, der dieses Pseudoschutzgesetz gegen Kinderpornos nicht unterschreiben will, der letzte vernünftige Mensch in Berlin zu sein scheint, hat die Regierung ja nichts Handfestes vorzuweisen. Gut, das Bündel gebrochener Versprechungen, aber das war ja sowieso klar. Im Grunde also ein regelrechtes Rumgeschrödere, fast wie vor 11 Jahren, als Rot-Grün bei Amtsantritt auch nichts auf die Reihe bekommen hat außer Kritik außer der Opposition zu ernten. Aber die ist ja zur Zeit auch erstaunlich still, wahrscheinlich sind die alle schon in den Weihnachtsferien.

Weihnachtsferien, das ist ein gutes Stichwort. Die hätte ich jetzt auch gerne. Aber zwischen denen und mir stehen noch drei lange, harte Wochen, in denen ich nicht nur eine beschissene Biochemie-Klausuren schreiben und mich mit Kafkas Psychosen in Prosa auseinandersetzen muss, sondern auch noch an einem dämlichen Planspiel teilnehme, bei dem das Einzige, was ich bislang gelernt habe, die Tatsache ist, dass derjenige, der den Flummi erfunden hat, wohl so eine Art Prototyp unternehmerischer Innovation war…

So weit mal das Gemeckere für den November. Es war nötig, glaubt es mir.