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Back in Black Blog
Montag, 31. August 2009, 23:30

Verdammt. Ich wusste ich habe was vergessen. Vorhin dachte ich mir noch: “Heute Abend hast du mal wieder schön Zeit, im ICQ ist ja dank Ferien eh kein Schwein online und im Amerika jammern sie nur alle weil morgen die Schule wieder losgeht, also blogst du mal wieder was!”.

Ja am Arsch. Natürlich war just heute mal wieder jemand im ICQ anzutreffen, und während die Zeit bei Diskussionen darüber, inwieweit Quantentheorie und Relativitätstheorie im Widerspruch stehen, scheinbar nur so dahinflog, habe ich das mit dem Bloggen natürlich mal wieder total verpennt. Jetzt sitze ich hier um halb 12 und weiß jetzt schon genau, dass ich im August nicht mehr fertig werde. Ach was soll’s…

Okay, also endlich nach langer langer Zeit mal wieder was neues von mir. Und diesmal auch kein Filmverriss oder ähnliches Zeug. In den letzten Monaten ist nämlich auch in meinem langweiligen Leben genug passiert, damit es für einen kleinen Blogeintrag hier reichen sollte. Auch wenn ich gestehen muss, dass mir der Witz früherer Einträge abhanden gekommen ist. Schon irgendwie interessant. Durch den Blog kann ich mir ja irgendwie selbst beim Älterwerden zugucken. Vor zwei Jahren, da sprudelte die Kreativität ja nur geradezu aus mir heraus. Okay, damals gab es mit einer gewissen Wette ja auch noch ein konkreteres Thema, das sich halbwegs humorös aufarbeiten ließ. Aber auch die Bildgeschichte hatte einfach dieses gewisse etwas, was ich heute schätzungsweise nicht mehr hinbekommen würde. Anno 2009 bin ich irgendwie auf dem phlegmatischen Punkt angekommen, an dem prinzipiell nur der Weg des geringsten Widerstandes beschritten wird. Nie mehr tun als nötig, aber auch nie weniger. Auch was meine Umwelt angeht, habe ich irgendwie etwas resigniert und reagiere nun weniger zynisch als viel mehr mit Gleichgültigkeit. Für den Blog hier ist das natürlich Gift.

Nur ganz selten glimmt noch so ein letzter Rest der alten Bösartigkeit gegenüber der Welt in mir auf. Neulich zum Beispiel, als ich auf der IKEA-Webseite nach einem Regal suchte. Für meine Bücher. Und dann feststellen muss, dass ich mir für das Geld, das so ein Regal kostet, auch fast einen dressierten Affen leisten kann, der mit den Büchern jongliert, solange ich sie nicht gerade lese. Mal im Ernst, was fällt diesen Wucherern eigentlich ein, 50 Euro für so ein billiges Stück Pressspanscheiße zu verlangen? Und die Schweden sind ja nicht die einzigen, die wohl mehr als nur ein Regalbrett vor dem Kopf haben, das sie irgendwie jeglichen Realitätsbezuges beraubt. Der Baumarkt um die Ecke ist nämlich auch nicht billiger.

Naja, darum ging es eigentlich gar nicht. Es ging um was anderes, was mich zuerst irgendwie erheitert hat, weil ich dachte, dass IKEA mich verarschen will. Und zwar folgender Werbebanner:

(Okay, ich gestehe, ich habe die Werbung auf Deutsch gesehen. Aber da ich zu langsam war, und IKEA in Deutschland offenbar nicht mehr an arme Kinder spendet, konnte ich die Werbung nur noch auf Englisch auftreiben)

Ähm, ja, denkt ihr jetzt vermutlich auch. Erst sagen sie uns, dass Millionen Kinder nach Einbruch der Dunkelheit nichts mehr sehen, und dann wollen sie das Problem mit Solarlampen lösen? So – lar? Wo der Name schon verrät, dass man hier Sonnenlicht braucht?

Natürlich ist das nur die halbe Wahrheit. Wenn man mal genauer nachliest, erfährt man, dass die Lampen Akkus haben, die von der Sonne aufgeladen werden, damit aus den Kindern auch dann helle Köpfen werden, wenn draußen schon kuh Nacht ist. In der deutschen Fassung wurde nämlich gesagt, dass die Kinder die Lampen dazu brauchen, um Hausaufgaben zu machen. Offenbar zieht das bei amerikanischen Möbelhausbesuchern aber nicht. Oder “make homework” war zu sperrig. Vielleicht besteht das amerikanische IKEA-Kundenvolk aber auch aus lauter Hippies, die lieber wollen, dass die Kinder sich kreativ austoben können, anstatt dass sie was lernen. Die zu Ausbäuterpreisen importierte afrikanische Kunst auf der Kommode im Flur ist aber auch verdammt schick o_O.

Unabhänging davon, wie viel Ironie ihr in den obigen Absatz hineininterpretiert, muss ich natürlich sagen, dass ich die Idee ziemlich gut finde. Anderen Leuten helfen ist immer gut, schließlich ist es reines Glück, dass ich jetzt hier sitze und im Schein meiner IKEA-Lampe tippen kann (ich habe ironischerweise wirklich eine Schreibtischlampe aus schwedischen chinesischen Landen, allerdings ein anderes Modell, und in meinem Fall hat beim Kauf der Funzel auch kein armes Kind profitiert) und nicht darauf warten muss, von UNICEF eine solche geschenkt zu bekommen.

Wobei die ganze Aktion natürlich auch Fragen aufwirft. Wenn die für jede gekaufte Lampe eine Lampe spenden, bezahle ich dann in Wahrheit auch zwei Lampen? Natürlich. Die Frage ist also eher: War die Gewinnspanne bei “SUNNAN” vorher so hoch, dass man es sich leisten kann, noch eine Lampe für lau rauszuhauen? Oder wurde der Preis extra für die Aktion angehoben?

A propos Preis. Ich habe ja schon vorhin auf die halsabschneiderische Preispolitik bei besagtem Einrichtungshaus hingewiesen. Denn jetzt muss mir mal jemand erklären, warum die selbe beschissene Lampe in Amerika 19,99 Dollar kostet, während man in Deutschland 17,99 Euro dafür berappen (Achtung Wortspielalarm) muss – bei einem Wechselkurs von 1,43 wohlgemerkt. Deutsche zahlen also de facto mal 4 Euro mehr, wenn sie einem armen Kind helfen wollen, als Amerikaner. Da fragt man sich ja beinahe, ob es Zufall ist, dass die Piraten-Bewegung in Schweden ihren Anfang nahm…

Okay, ähm, andere Baustelle. Die IKEA-Werbung war ja letzten Endes mehr Win als Fail, deswegen hau ich jetzt einfach noch einen Hammer hinterher. Das folgende Bild habe ich selbst geschossen, als ich vorige Woche in Osnabrück war:

Ich würde lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Offen gestanden weigere ich mich zu glauben, dass der Besitzer des Ladens dafür verantwortlich war. Ich meine, nicht nur, dass er angeblich Verbindungskabel für WLAN hat (mein Bruder und ich wollten ja schon rein und fragen, ob  er uns eins gegen einen Volleyballschläger eintauscht, aber meine Mutter war nicht so begeistert von der Idee) und Cinch nicht richtig schreiben kann. Er hat ja auch angeblich TAE und Western-Kabel. Zu dumm, dass das eigentlich keine Kabel sind, sondern Stecker. Nein, hier müssen andere Mächte am Werke gewesen sein. Wahrscheinlich ein frustrierter Praktikant oder eine zurückgewiesene Tippse.

Doch selbst wenn dem so war, würde meine Antwort auf die Frage “Würden Sie von diesem Mann einen Gebrauchtwagen kaufen?” eher Nein lauten. Andererseits fällt mir gerade ein… Wenn ich einfach reingegangen wäre und den Mann (oder war es etwas eine Frau?!) freundlich auf die Missstände betreffs der öffentlichen Anpreisung seiner feilgebotenen Waren und Dienstleistungen in Kenntnis gesetzt hätte, hätte ich vielleicht ein paar “Akku’s” umsonst bekommen.

Das ist nämlich noch so was, was mir im Norden aufgefallen ist: Scheinbar kein Mensch weiß, wann man im Deutschen einen Apostroph braucht. Ich meine, ich will hier jetzt nicht einen auf Bastian Sick machen und den Sprachfetischisten raushängen lassen, aber selbst im Firmenlogos und anderen Zeug, das mal durch die Hände eines professionellen Grafikers gewandert ist, findet sich dieser Fehler! Und da will Niedersachsen auf Platz 5 im Bildungsmonitor 2009 stehen.

So, das soll’s jetzt auch schon wieder gewesen sein. Wie angekündigt war der Text hier kein Fest in Bezug auf die kritische Auseinandersetzung mit meiner Umwelt, und sprachlich sowieso stilistisch wurden hier auch keine Tore zu neuen Welten aufgestoßen, aber für einen Sommerloch-lastigen August wird es reichen. Nächsten Monat ist ja Bundestagswahl, da fällt mir bestimmt was ein. Dieser geradezu widerlich-anbiedernde Wahlkampf mit seinem inhaltslosen Geschwätz missfällt mir ja jetzt schon auf äußerste. Und Besserung ist bis zum 27. September ja kaum zu erwarten. Nichtsdestoweniger sage ich jetzt schon mal: Geht wählen wenn ihr dürft!