So, nach längerer Abstinenz mal wieder was Neues von mir. Mal wieder ein Filmverriss. Und Verriss ist hier auch genau das richtige Wort für das, was diesem cineastischen Machwerk unterster Schublade nun blüht. Der Film, von dem ich spreche hört auf den unseligen Namen „Transformers 2 – Die Rache“. Nicht, dass ich da viel erwartet hätte. Eigentlich bin ich da überhaupt nur rein, weil Wil den so gerne sehen wollte. Sonst hätte ich mir das ja gar nicht angetan. Einen Vorteil hatte das Ganze aber doch: Dank Michael Bays zweieinhalbstündigem Special-Effects-Feuerwerk weiß auch ich nun, dass keine Erwartung zu tief gesteckt sein kann, um nicht noch von der Realität unterboten werden zu können.
Wie gesagt, das Unglück begann am Sonntagabend um Viertel vor Acht in dem winzigen Lichtspielhaus, das meine großartige Heimatstadt ihr Kino nennt. Nach beschissener House-Musik im Vorspann und viel zu wenig Trailern (ich möchte Übrigens bemerken, dass Harry Potter in der deutschen Synchronisation irgendwie… lächerlich klingt) ging der Film dann los. Und das nicht mit einem sinnvollen Einstieg, der Leuten wie mir, die den ersten Transformers-Film nicht gesehen haben, die Möglichkeit geboten hätte, zu verstehen worum es da geht. Nein. Stattdessen regnet es Autos vom Himmel während die Army Shanghai zurück in die Steinzeit bombt, um einen amoklaufenden Riesenroboter einzufangen. Nach Sehen des ganzen Films bleibt für mich an dieser Stelle eigentlich nur noch die Frage nach der Existenzberechtigung dieser Szene. Mit der restlichen, nennen wir es mal mutig „Handlung“, hatte dieser Quatsch nämlich nicht viel zu tun. Viel mehr diente er Regisseur Michael Bay wohl eher zum Beweis dafür, dass er im spezialeffekttechnischen Schwanzlängenvergleich der Actionfilm-Inszenatoren zurzeit den Längsten hat. An dieser Stelle möchte ich ganz neidlos meinen Glückwunsch bekunden, denn was die Verschwendung von kostbarem Budget an unnötige Special-Effects angeht, so setzt dieser Film definitiv neue Maßstäbe. Eigentlich geradezu traurig, schließlich hat Mr. Bay uns auch schon mit Knallern wie „Bad Boys“ oder „Die Insel“ beglückt.
Nun ja, zurück zur „Geschichte“. Nachdem Shanghai in Schutt und Asche liegt und der Zuschauer um den prophetischen Hinweis, dass „The Fallen“ zurückkehren wird, reicher ist, wechselt das Szenario aus dem Reich der Mitte in die guten alten Vereinigten Staaten. Der Protagonist (ich glaube, er heißt Sam, aber das ist für den Film eigentlich nicht von Bedeutung) erklärt seinem Autobot (der auch einen Namen hat, der keinen zu juckten braucht), dass er nicht mit auf das College kann und sich deswegen gefälligst andere Freunde suchen soll; das heißt also zu den anderen Robotern zurückgehen soll. Das klappt nur so lala. Dafür taucht jetzt Sams Freundin in Form von Megan Fox auf, die sich in Versuch, sexy zu wirken, aus einem hautengen Lederanzug schält. Es gibt ein bisschen Zoff weil keiner sagen will, dass er den anderen liebt, und blah-blah. Schließlich gibt er ihr den Splitter eines Würfels, der meiner Mutmaßung nach im ersten Teil wichtig war, und jetzt a) dafür gesorgt hat, dass er komische Symbole sieht und b) alle Elektrogeräte in hässliche, kleine Robo-Viecher verwandelt hat, die das Haus in Brand setzen. Nachdem Freundin aka Megan Fox mit ihrem Motorrad und dem Splitter im Gepäck endlich abgedüst ist, verschwindet auch der Hauptdarsteller samt Eltern in Richtung College.
Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass ich Megan Fox für die most overrated actress 2009 halte. Das ganze Internet ist voll von Lobpreisungen ihrer Schönheit, aber ich muss mal ehrlich sagen, dass es zumindest meiner Meinung nach deutlich besser aussehende Frauen gibt – die nicht über und über mit Tattoos besudelt sind, die dann für teures Geld im Film wieder überschminkt oder am Rechner entfernt werden müssen.
Auf dem College lernt Sam dann seine neuen room mates kennen, irgendwelche Spinner mit einer Webseite über Verschwörungstheorien. Die folgende Szene, in der seine Mutter bei irgendwelche Leuten mit Rastas Hasch-Kekse kauft und dann total zugedröhnt und auf marktschreierische Art und Weise Mädchen auf ihren Sohn hinweist, ist eigentlich nur peinlich und entbehrt den offenbar intendierten humorösen Effekt leider gänzlich.
Weil in der Zwischenzeit ein böser Roboter versucht hat, Sams Freundin (Megan Fox) den Splitter des Wasauchimmeristjaauchegal-Würfels zu stehlen, setzt sie sich sofort in den Flieger (sie hat das Geld ja, schließlich muss sie aus genau diesem Grund auch auf ihr College-Studium verzichten >.<) und besucht ihren Macker auf dem College. Dort trifft sie ihn erstmal im Rahmen eines großen Missverständnisses „in flagranti“ mit einer blondierten Kommilitonin an und rauscht beleidigt wieder ab (zum Glück haben sich die Drehbuchautoren keiner Klischees bedient!). Besagtes Blondchen stellt sich dann aber als böser Roboter heraus, der versucht, Sam umzulegen. Als dieser mit seine Freundin (die ihn jetzt wieder leiden kann) und sein schräger Zimmergenosse (der mit der Webseite; Name ist eigentlich auch für’n Arsch) dann vor besagter Blondine fliehen, werden sie von weiteren bösen Robotern gefangen genommen. Diese lassen ihr Auto dann aus geschätzten 150 Metern auf den Asphalt einer Fabrikhalle knallen (durch das Dach, jawohl! Sonst macht es ja nicht richtig bumm), doch dank Airbag kriegen die Insassen nicht mal einen Kratzer ab (für die Physikbegeisterten unter uns: unabhängig vom Gewicht des Autos knallt das beim Freien Fall aus 150 Metern mit ca. 197 Stundenkilometern auf den Boden. Viel Spaß beim Überleben.)
Das soll sich aber schnell ändern, denn in der Halle wartet so eine Art Chef der bösen Roboter, der Sam das Gehirn aus dem Kopf schneiden will, damit auch er die komische Symbole sieht. Wie nicht anders zu erwarten, wird ihm aber in letzter Sekunde quasi der Arsch gerettet, denn die guten Roboter kommen vorbei und verwandeln mal wieder das komplette Set in einen großen digitalen Schrotthaufen. Damit geht die Flucht weiter. Unterwegs tauchen noch mehr böse Roboter auf, die es dann fertig bringen, den unbesiegbaren Anführer der guten Roboter (eine Art Super-Roboter) doch noch zu besiegen und zu töten.
Der schräge Zimmergenosse führt Sam und seine Freundin dann schließlich zu einer weiteren Lichtgestalt der Konspirationstheorien: ein Mann im mittleren Alter, der im Keller seines Feinkostladens einen riesigen Vorrat an ultrageheimen Regierungsakten hortet, und dessen Name ebenfalls keinen wirklich zu interessieren braucht. Der kann ihnen zwar nicht sagen, was die Symbole in Sams Kopf bedeuten, aber zum Glück hat Sams Freundin ja den diebischen Roboter aus ihrer Werkstatt mitgeschleppt (ihr wisst schon, der, der den Splitter vom Dingsbums-Würfel klauen wollte). Der hat auch keinen Plan, allerdings weiß der, wo sie einen Roboter finden, der Ahnung hat.
Im Smithsonian-Museum in Washington verwandelt sich dann eine ausgediente Lockheed Blackbird in einen altersschwachen bösen Roboter, der eigentlich gar nicht böse ist, sondern die Seiten gewechselt hat. Darüber hinaus entpuppt er sich auch noch als Märchenonkel, der die Helden über die Bedeutung der komischen Symbole aufklärt und ihnen die Geschichte der ersten Super-Roboter erzählt. Die zogen damals plündernd und brandschatzend durchs Universum und haben hier und da mal eine Sonne vernichtet, um neue Energie zu gewinnen. Als sie dann in unser Sonnensystem kamen und dort Leben entdeckten gab es Zoff darum, um man unsere Sonne auch zerstören dürfe. Einer der Roboter war böse und wollte uns das Licht ausknipsen, weswegen sich die anderen Super-Roboter opferten, um den Schlüssel zur Sonnenvernichtungsmaschine vor ihm zu verstecken.
Genau diesen Schlüssel will der überlebende böse Roboter jetzt wiederhaben um endgültig mit der Menschheit abzuschließen. Sam und seine Weltenretter-Buddies müssen dem natürlich zuvorkommen, weswegen sie sich von Mister Bin-kein-böser-Roboter-mehr irgendwo in die arabische Wüste teleportieren lassen. Dort finden sie dann „zufällig“ im Khazne al-Firaun in der jordanischen Felsenstadt Petra besagte „Matrix der Führerschaft“. Die zerbröselt allerdings in Sams Fingern. Kurzerhand wird der sprichwörtliche Sternenstaub in eine Tüte gepackt und mitgenommen.
In Ägypten hat die Army inzwischen den toten Körper des Anführers der guten Roboter abgeworfen; in der Hoffnung, dass Sam ihn reanimieren kann. Als Sam dort schließlich ankommt, sind die bösen Roboter allerdings auch schon da und im Schatten der Pyramiden entwickelt sich ein Wüstenkampf, der an Bildgewalt so manchen Kriegsfilm von Neid erblassen ließe. Ich werde nicht weiter auf die Details eingehen, aber wie nicht anders zu erwarten wird hier wieder alles kaputtgemacht, was nicht niet- und nagelfest ist und auch Sam geht um ein Haar drauf, doch Megan Fox‘ phönixmäßige Wundertränen holen ihn nochmal zurück ins Leben. Somit kann er seine Mission abschließen (auf wundersame Weise verwandelt sich der Metallstaub nämlich wieder zurück in den Schlüssel) und den Anführer der Guten wiederbeleben. Der schnappt sich dann auch gleich ein paar Ersatzteile von Mister Lockheed Blackbird und verwandelt den Anführer der Bösen danach in einen großen Haufen Metallschrott.
Das war die Story im Groben. Um den ganzen Mist hier mal kurz und prägnant auf den Punkt zu bringen: Ohne die Roboter wäre „Transformers 2“ ein besserer Film gewesen.
Wie ich zu Beginn schon gesagt habe, hatte ich mir von dem Film ja kein shakespearesches Drama mit geschliffenen Dialogen und einer perfekt inszenierten Handlung erwartet. Das hat vermutlich keiner, der bei gesundem Verstand ist. Deswegen beschwere ich mich auch nicht über die omnipräsente Schwarz-Weiß-Malerei, die hier betrieben wird.
Das Problem bei diesem Film ist jedoch, dass hier einfach gar nichts zusammen passt, die Story beschissen ist, die Charaktere oberflächlich und austauschbar sind und die Dialoge zur Nebensache verkommen. Peinlicher Pseudohumor (besonders in Form der beiden „coolen“ Nerv-Transformers, die keinen tieferen Sinn haben und nur zur „Belustigung 2 Stunden lang mitgeschleift werden) trifft auf Militärpathos, der einem „Jarhead“ durchaus angemessen wäre (im Übrigen nichts gegen Jarhead, der Film ist genial!) und erzeugt so ein uneinheitliches Gesamtbild, das eigentlich nur durch die andauernden Special-Effects-Orgien zusammengehalten wird.
Dabei wären die einzelnen Teile ja an und für sich nicht mal so schlecht gewesen. Der Anfang im College ist an und für sich nicht allzu mies, hätte man es dabei belassen und sich den Roboter-Scheiß gespart, hätte sich der Film zwar in die lange Liste der amerikanischen Teenie-Filme à la American Pie eingereiht, besäße dafür aber einen etwas stringenteren Handlungsverlauf. Ebenso steht es um die Schlacht am Ende des Film: Geradezu legionsweise lässt Mr. Bay hier kahlgeschorene GIs aufmarschieren, so dass man sich fragen muss, ob der Film in einem anderen Genre nicht besser aufgehoben wäre.
So, vor lauter Sachen, die mich am Film angekotzt haben, verliere ich langsam den Überblick. Was war noch wichtig? Ach ja, genau: Die Verantwortlichen waren wohl große Fans gewisser Ego-Shooter. Nicht anders ist es zu erklären, dass die ganze Schlacht an den Pyramiden wirkt, als hätte man sie inklusive Artellerie-Angriff aus „Battlefield 2“ geklaut. Und auch was die bescheidenen Dialoge angeht, hat man plagiiert: „Ich gewinne – Du stirbst“ ist wortwörtlich (!) der Unreal-Tournament-Reihe entnommen. Wenn das mal kein Offenbarungseid der Drehbuchautoren ist…
Ich könnte jetzt wahrscheinlich ewig so weiter machen, aber ich nehme an, ihr habt begriffen, was ich euch sagen will. Der Film ist ein hingerotztes Stück Schrott (im wahrsten Sinne des Wortes), das vermutlich vor allem deshalb produziert wurde, weil der erste Teil erfolgreich (und Gerüchten zu Folge auch gut) war und man offensichtlich dachte, dass diese Kuh noch nicht zur Genüge gemolken sei. Seine einzigen Pluspunkte kann er in meinen Augen durch den teilweise bitterbös-selbstironischen Army-Humor sammeln, für den ich aber keinen Transformers-Film brauche. Da tun es auch “Full Metal Jacket” und Konsorten.
Was bleibt sind die Special-Effects. Viele Special-Effects. Wenn ihr also bereit seit, vollkommen auf eine sinnvolle Geschichte, Dialoge oder ein Mindestmaß an Kreativität seitens der Filmemacher zu verzichten und darüber hinaus noch 5 oder 6 Euro (oder wie viel Kino bei euch kostet) für eine Art überdimensionale Grafik-Demo ausgeben wollt, die euch eindrucksvoll zeigt, zu was CGI heute in der Lage ist, dann bitte sehr. Der Rest kann getrost daheim bleiben.
