Schon wieder ich. Schon wieder kein gescheiter Anfang. Und wahrscheinlich auch wieder kein gescheiter Inhalt. Es ist ja auch wirklich eine Krux mit dem Bloggen. Mir fallen des öfteren Sachen ein, die ich eigentlich hier mal schreiben könnte. Dummerweise schreibe ich die dann nie auf. Und dann sitze ich wieder hier und denke mir “Scheiße, schon wieder am stümpern”. Naja, so ist das wohl.
Zumindest eine Sache, die ich Bloggen wollte, ist mir im Gedächtnis geblieben. Der Schülerstreik! Ist zwar schon fast drei Wochen her, aber was soll’s? Er bietet immer noch genug Stoff um mal wieder gepflegt zu lästern. Zufällig bin ich an die letzten Aufzeichnungen eines Streikbrechers gelangt, die dieser anfertigte, kurz bevor ein aufgebrachter Schülermob ihn mit veralteten Lehrbüchern zu Tode prügelte:
Mittwoch, 12. November. Ich sitze hier in meinem Keller. Die Vorräte sind beinahe aufgebraucht. Im fahlen Licht einer Kerze sehe ich die Ratten in ihren Löchern. Sie warten nur darauf, dass ich endlich sterbe. Über mir, auf der Straße, da sind sie. Die Streikenden. Laut brüllend trampeln sie die Straße entlang. Nur mit Glück bin ich ihnen entkommen. Beinahe hätten sie mich erwischt. Während ich diese Zeilen schreibe, tropft mein Blut auf das Papier. Wie gesagt, ich bin ihnen nur knapp entkommen. Und das alles nur, weil ich mich ihrem Protest nicht anschließen wollte. In der Ecke rauscht mein kleiner Radioempfänger. Ich trete dagegen. Der Empfang stimmt wieder. Musik spielt – nein, halt. Das Programm wird unterbrochen; für eine Sondermeldung. Über mir ist immer noch der Lärm der Streikenden zu vernehmen. Der Nachrichtensprecher setzt an. “Berlin” sagt er mit kratzender Stimme. “In der Hauptstadt fordert ein Mob aus tausenden aufgebrachten Schülern im wilden Protest eine Abschaffung des Notendrucks. Außerdem treten sie für kleinere Klassen und mehr Lehrmittel ein”. Pah, denke ich. Kein Notendruck mehr. Dann würde diese Barbaren ja gar nicht mehr kommen. Außerdem geht es ja nicht darum, die Schüler zu bestrafen. Irgendwie muss der Lehrer ja den Lernfortschritt kontrollieren. Mehr Lehrmittel. Schön – aber woher? Das Radio knackt. Ein Interview mit dem Mobführer. “Nun müssen die Schüler ihre Probleme selbst in die Hand nehmen!” brüllt er ins Mikrofon. Die Menge tobt. Es folgt ein Live-Bericht von “draußen”. Über das Geschrei der Streikenden hinweg berichtet ein Reporter, dass soeben die Humboldt-Universität gestürmt worden sei. Schüler stünden nun in an den Fenstern der Uni und würden Bücher und Toilettenpapier nach draußen schmeißen. Genial, denke ich. So sieht es also aus, wenn Schüler ihre Probleme “selbst in die Hand nehmen”. Aus dem Radio ertönt ein Schrei. Offenbar haben sie den Reporter erwischt. Schnell wird ins Studio zurückgeschaltet. Die selbe unangenehme Stimme, die die Meldung schon begonnen hatte, fährt nun fort. Es werden Zahlen genannt. Über 100.000 Streikende sollen es in Deutschland wohl schon sein. Politische Zustimmung erhielten sie im Bundestag von der FDP und der Linkspartei. War ja klar. Einfach mal zu allem ja sagen, was irgendwie “dagegen” ist. Der Lärm draußen wird lauter. Ich glaube, sie kommen zurück! Jetzt sind sie schon ganz nah. Ich höre Holz splittern – war das die Eingangstür? Ja! Ich höre sie auf der Treppe. Sie kommen immer näher. Ihre Stimmen sind bereits vor der Tür zu meinem Versteck. “Jetzt haben wir dich, du elender Denunziant!” schreit einer. Die Tür hält nicht mehr lange. Das metallische Kreischen der Angeln klingt beinahe wie ein menschlicher Schrei. Plötzlich ist Ruhe. Die Tür kippt nach innen. Sie kommen…
Ja ja, so war das. Zumindest fast. Jedenfalls kam es mir so vor. Okay, verdammt, vielleicht war es nicht so, aber ich denke, man versteht, was ich damit ausdrücken wollte, oder? Da rennt ein riesiger Haufen Schüler durch Deutschlands Innenstädte, fordert bessere Lernbedingungen und alles was denen einfällt, ist in die Uni zu stampfen und Bücher und Klopapier aus dem Fenster zu schmeißen!? Hallo, geht’s noch? Ich meine, es ist ja prinzipiell nichts falsches, für Veränderungen zu demonstrieren. Aber doch nicht so, wie da geschehen. Wahrscheinlich wussten 70% der dort Anwesenden nicht mal, warum sie eigentlich da sind. Hauptsache keine Unterricht, Hauptsache gestreikt. Vielleicht kommt man ja ins Fernsehen.
Und dann die Forderungen der Leute, die wussten warum sie da sind. Eine bescheuerter als die andere. “Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems” – hat eigentlich irgendjemand mal darüber nachgedacht, wozu das führt? Gymnasiasten und Hauptschüler in einem Klassenzimmer? Ich will ja wirklich niemanden diskriminieren und denke auch, dass es einige Hauptschüler gibt, die nicht vollkommen verblödet sind, aber vor meinem geistigen Auge spielen sich gerade Szenen ab, die mit dem Wort “Anarchie” höchstens umschrieben werden können. Vom Lernklima ganz zu schweigen. Die “Schlauen” langweilen sich zu Tode, und die “Doofen” kommen immer noch nicht mit. Wirklich genial. Leute, ihr seid Deutschland! Moment mal… wenn mir das Fernsehen suggeriert, dass ich Deutschland bin… und die auch… dann habe ich ja irgendwas mit denen gemeinsam! Ahhh! Ich will nicht mehr Deutschland sein, bitte!
Das “Lehrkraft? – Nein danke!”-Logo habe ich übrigens entwickelt, weil mich die ganze Sache doch zum Teil sehr an die Anti-Atomkraft-Bewegung erinnert hat. Da wird doch zum Großteil auch nur das Maul aufgemacht und “DAGEGEN!” gebrüllt, ohne dass man ernsthafte Alternativen bietet. Eigentlich könnte ich hier nahtlos anknüpfen und über die Castor-Proteste lästern, die ja irgendwie auch nur beschränkt sinnvoll sind, da der Atommüll schließlich existiert und sich das auch dann nicht ändert, wenn sich irgendwelche Ökos an die Gleise ketten, aber ich lass’ es einfach mal.
Wenden wir uns anderen Themen zu. Die sind zwar genau so unerfreulich, aber weniger gefährlich für den Blutdruck. Mein Terminkalender zum Beispiel, der neuerdings eine Gemeinsamkeit zu einem irischen Hafenarbeiter aufweist: Er ist einfach immer voll. Schule, Klassenarbeiten, Fahrschule, Job, Kanupolo… das ganze beginnt an einigen Stellen gefährlich inkompatibel zu werden. Naja, es wird schon irgendwie werden.
Fahrschule wäre eigentlich auf so ein Lästerthema für sich. Ich musste im Theorieunterricht mal wieder auf ganz bittere Weise feststellen, dass es auch Leute gibt, die sich einen Scheiß für Bildung interessieren. Beispiel gefällig? Die Frage lautet: “Warum braucht man beim Autofahren auch das Gehör?”. Es kommen lauter sinnvolle Antworten wie “Motorgeräusche wegen eventueller Panne” oder “Martinshorn” und so weiter. Dann wird der fett-krasse, voll konkrete Hip-Hopper aufgerufen: *nimmt erstmal die Ohrstöpsel raus* “Ey, isch hab die Frage nedd verstanden!” *Frage wird wiederholt* “Äh ja Mann, hab isch kein Plan! Vielleischt… Musik hören?”. Öhm ja…
Allerdings musste ich erst gestern wieder feststellen, dass es auch auf dem Gymnasium nicht unbedingt besser ist. Da wurde in der 5-Minuten-Pause nämlich einfach spontan eine Sektflasche geköpft und im Kreis herumgegeben, um die bestandene Theorieprüfung einer Kommilitonin zu feiern. Naja. Ich wollte mal kein Kameradenschwein sein und habe sie deshalb nicht verpfiffen. Auch wenn es mir sicher großen Spaß bereitet hätte, zuzuschauen wie die ganze Mannschaft beim Direktor antanzen darf.
Okay, mehr fällt mir momentan irgendwie nicht ein und da ich nicht schon wieder auf so ein unterirdisches Geplänkel-Niveau fallen will, belasse ich es jetzt dabei.
…Noahs Arche mit einem Eisberg kollidiert wäre?

Nun, ähm… ich weiß es nicht. Aber zumindest hatten wir im Reli-Unterricht eine halbwegs sinnvolle Beschäftigung. Und zumindest vor meinem geistigen Auge tauchte ständig eine Szene a la “Noah, ich fliege!” – “Ja, das liegt daran dass du ein verdammter Vogel bist und auf meiner Arche eigentlich nichts zu suchen hast!” auf….
