Ja, ich weiß, ich habe hier schon wieder länger nichts geschrieben. Was möglicherweise daran liegt, dass ich mittlerweile den Sinn dieses Projektes hier anzweifle. Blogs sind doch mittlerweile mehr oder weniger zum Arschgeweih des Internets geworden. Es gab eine riesige Modewelle (die mittlerweile im Wesentlichen vorbei ist), plötzlich hatte jeder einen und es war voll cool, selbst “Content” zu produzieren. Dass dieser Content in 95% der Fällen aus irrelevantem Scheiß wie dem eigenen Mittagessen bestand, muss an dieser Stelle eigentlich nicht erwähnt werden. Abgesehen davon, dass die meisten Leute, die ihren Blog zum multimedialen Schaufenster in ihr Leben verwandelt haben, mittlerweile bei Twitter oder ähnlichem gelandet sind, stellt sich mir an dieser Stelle in meinem Leben die Frage, was ich mit dieser Webseite eigentlich bezwecke, und ob es sinnvoll ist, sie in der aktuellen Form weiterzuführen.
Seitdem ich die Domain besitze – mit der .de.be-Vorläufervariante dürften das mittlerweile doch gut und gerne sechs Jahre sein – haben sich die Inhalte hier doch ziemlich stark gewandelt. Ganz am Anfang war das hier mal eine Seite, die sich ganz meinen Lieblingsbüchern widmete; daher auch der Titel “the bookworm”. Damals noch ganz klassisch im Web 1.0 Stil, mit Frames, schwarzem Hintergrund und grüner Schrift in Comic Sans MS. Also genau die Art von Webseite, die ich heute ziemlich unabhängig vom Inhalt nach etwa einer Sekunde schließen würde. Etwas später konzentrierte ich mich dann ganz auf Harry Potter; eine Zeit, von der ich bis heute insofern profitiere, als [*] sich durch die ganzen Interviews, die ich damals übersetzt habe, mein ursprünglich ziemlich bescheidenes Englisch deutlich verbesserte. Joah, und vor circa zwei Jahren bin ich dann bei eben diesem Blog gelandet, den ich jetzt gerade etwas in Zweifel ziehe.
[*] = laut Bastian Sick (Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod) darf hier kein dass stehen, auch wenn es so ziemlich hässlich klingt.
Da mir aber zur Zeit irgendwie keine rechte Alternative einfallen will, werde ich den Blog in seiner aktuellen Form eben mal wieder für das benutzen, wofür er schon die letzten ca. 30 Monate herhalten musste: als meine geistige Müllkippe und als Dokumentationsstätte meiner Persönlichkeitsentwicklung (tolles Wort übrigens. Habe das die Woche mal wegen einer anstehenden Psychologie-Klausur gegoogelt. Man landet echt nur bei irgendwelchem Esoterik-Scheiß oder dubiosen Personal-Trainer-Angeboten…).
Und da hat sich dann durchaus ganz schön was entwickelt. Und vor allem: es entwickelt sich immer noch. Das kann man sogar in Zahlen festhalten: Ich werde nächste Woche 18. Genauer gesagt, heute in einer Woche. Am Muttertag. Abgesehen davon, dass es meiner Meinung nach wohl keinen beschisseneren Tag im Jahr gibt um 18 zu werden als den Muttertag, stelle ich mir seit geraumer Zeit die Frage, was das denn eigentlich für mich konkret bedeutet. Ich meine, ich profitiere auf keine der üblichen Weisen übermäßig von meiner bevorstehendem Volljährigkeit. Ich rauche nicht, und habe auch kein Interesse, das zu ändern. Ich trinke keinen Alkohol, immer noch nicht, und auch hier sehe ich keinerlei Handlungsbedarf. Im Weiteren habe ich auch nicht vor, mir Feuerwerkskörper zu kaufen. Oder Waffen. Oder Pornos. Oder irgendwelche anderen Dinge, deren Erwerb das vollendete 18. Lebensjahr voraussetzen. Außerdem hasse ich Weggehen, jedenfalls wenn da zu viele Menschen sind, die ich nicht kenne. Egal ob Kneipe oder Disco – ich will da nicht hin, und schon garnicht länger als bis 24 Uhr. Filme, die ab 18 freigegeben sind, gucke ich auch selten, denn mittlerweile wird ja selbst ein Quentin Tarantino so zusammengeschnitten, damit man einen blauen FSK16-Stempel kriegt.
Dafür bringt die Volljährigkeit auch so einige Nachteile mit. Zum Beispiel will der Arzt ab sofort 10 Euro von mir, wenn ich da antanze; selbst wenn ich die alljährlich mindestens einmal fällige Diagnose Streptokokken-Tonsillitis (= Mandelenztündung) mittlerweile selbst stellen kann und da nur noch hinmuss, um das Rezept für das Antibiotikum abzuholen. Außerdem bin ich dann ja voll strafmündig. Nicht, dass ich vorhätte, jemanden umzulegen, aber der Gedanke an maximal zehn Jahre Jugendstrafe war doch manchmal ganz tröstlich, wenn es nach einem langen Kampf gegen die Zickereien von Outlook 2007 in meinen Träumen mal wieder von rostigen Nägeln, Kettensägen, dunklen Verliesen und Microsoft-Mitarbeitern nur so wimmelte…
Außerdem gibt es jetzt wieder einen Haufen Papierkram, weil jeder Laden, von der Bank bis zur Krankenversicherung, jetzt einen neuen Vertrag braucht der auf meinen Namen läuft -.- Die einzigen beiden Sachen, die die Volljährigkeit ernsthaft interessant machen, sind das Autofahren und das Recht zu wählen. Da die nächste Wahl aber erst 2011 (Landtagswahlen) beziehungsweise 2013 (Bundestagswahlen) ist, nützt mir das erst mal gar nichts. Und das mit dem Autofahren ist auch so eine Sache. Ich habe zwar offiziell seit August den Führerschein, oder wie auch immer diese hässliche kleine rosa Zettel auf korrektem Beamtendeutsch heißen mag, allerdings würde ich nicht behaupten, dass ich fahren kann. Und schon gar nicht mit unserem Auto, das nicht mal eine anständige Handbremse hat und außerdem ein Benziner ist, der mit Gas angefahren werden will (was man mir in der Fahrschule gnädigerweise nicht beigebracht hat). Ich werde mich jedenfalls ganz sicher nicht mit 18 alleine auf die Straße trauen, dazu hänge ich doch zu sehr an meinem Leben, beziehungsweise fühle mich der Gesellschaft zu sehr verpflichtet, als dass ich das Leben Unschuldiger wissentlich aufs Spiel setzen würde.
Damit bleibt dann als zentrale Frage dieses Coming-of-Age-Krise-Spezials: Was habe ich überhaupt davon, wenn ich 18 werde?! Fühlt euch dazu aufgefordert, mir diese Frage in den Kommentaren zu beantworten.
Ich habe vorhin mal aus Spaß gegoogelt, was man denn nach gängiger Meinung so vor seinem 18. Geburtstag so alles auf die Reihe bekommen haben sollte. Einiges, zum Beispiel stubenrein werden, Sprechen, Lesen und Schreiben lernen sowie einen ersten Schulabschluss erwerben, habe ich ja schon geschafft. Anderes, wie die erste Freundin und den ersten Kuss, noch nicht. Mal sehen, ob ich das in den kommenden 18 Jahren auf die Reihe bringen werde. Wenn nicht, auch nicht schlimm. Ich werde vermutlich sowieso mal einer dieser Workaholics, die mit 35 an einem Herzinfarkt sterben, weil sie das Wort “Erholung” nur noch aus den Urlaubsgeschichten der Kollegen kennen.
Wie auch immer, ich hatte eigentlich gehofft, dieser Blogeintrag würde mir ein wenig dabei helfen, das Gedankenchaos in meinem Kopf etwas zu ordnen. Warum das nicht geklappt hat, weiß ich auch nicht so recht. Vielleicht sind der Schatten drohender Volljährigkeit, ein voller Klausurenkalender und das Herannahen meines zweiten Amerikaaufenthaltes einfach zu viel, um in einem Blogeintrag bewältigt zu werden…
Dewegen an dieser Stelle: macht’s gut. Wenn ich mich das nächste mal hier melde, sitze ich wahrscheinlich auf der anderen Seite des großen Teichs. Ich weiß zwar noch nicht genau, ob ich wieder so blogge wie letztes Jahr (hat mir ehrlich gesagt doch etwas zu viel Zeit weggefressen), oder ob ich einen Videoblog mache oder irgendwas anderes, aber irgendwie werde ich mich schon melden.
Früher war alles besser anders. Finde ich. Ist mir aufgefallen, als ich in letzter Zeit häufiger mit meiner Grundschul/Unterstufen-Zeit konfrontiert wurde. Zum Beispiel gestern, als ich beim Ausmisten mein altes Super-Nintendo gefunden habe, das ich – so habe ich beschlossen – demnächst wieder in Betrieb nehmen will, um mich beim Donkey-Kong-Zocken in 2D an jene glorreichen Nachmittage in der vierten Klasse zu erinnern, als die Welt noch heil und nicht von bösen Ereignissen wie Abitur und Studium getrübt war, die ihre langen Schatten vorauswerfen. Alles was mich davon abhält ist das fehlende Verbindungskabel, das ich damals in einem Anfall kindlicher Dummheit verkauft hatte, nachdem ich der Meinung war “Jetzt wo ich eine PlayStation 2 habe brauche ich doch kein Super Nintendo mehr!” (so viel zum Thema “Früher war alles besser” *hust*).
Allgemein hat mich die geistige Entwicklung, die ein Mensch zwischen 12 und 18 durchmacht, irgendwie erstaunt. Ich bin bei oben erwähntem Ausmisten nämlich nicht nur auf mein Super Nintendo gestoßen, sondern auch auf ein Haufen Heftaufschriebe aus der sechsten bis neunten Klasse. Abgesehen davon, dass ich extremst darüber verwundert war, dass ich in der neunten Klasse in Deutsch noch Aufsätze von 2,5 Seiten Länge abgegeben habe (mittlerweile bin ich bei 11 Seiten o.O – zugegebenermaßen mit mehr Zeit) – und dafür auch noch eine 1 bekommen habe – haben mich insbesondere meine Aufschriebe und Aufsätze aus der sechsten Klasse amüsiert. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass mein Weltbild damals noch so beschränkt war. Das Wort “naiv” sei an dieser Stelle mal vermieden; wir haben uns in Psychologie darauf geeinigt, dass “naiv” erwachsene Menschen bezeichnet, die sich wie Kinder benehmen, und ich war damals ja ein Kind. Wie auch immer, ich hoffe nur, dass ich in 6 Jahren nicht ebenfalls zurückblicke und mir denke “Gott, wie blöd warst du denn eigentlich damals?!”. Denn dann zieht die Entschuldigung “Ich war ja noch ein Kind” nicht mehr wirklich o.O
Ähnlich ging es mir, als ich diese Woche einen Stapel alter Disketten aus dieser Zeit (ca. 2002-2004) gefunden habe (ja, ich glaube es war große “Finde-alten-Plunder”-Woche). Wirklich sehr lustig zum Teil. Vielleicht sollte ich auf Facebook die Gruppe “The feeling when you want to travel back in time and kick your younger self in the nuts” gründen; ich bin mir sicher, ich würde viele Gleichgesinnte treffen. Denn zum Teil ist mir wirklich unverständlich, was damals in meinem Kopf vor sich ging. Da wurde bei Word-Dokumenten für die Schule die Schriftart kurzerhand auf 18 hochgedreht, nur um dann behaupten zu können “Ich habe eine ganze Seite geschrieben! *rumprolet*. Oder bei den Versuche, “ein Buch zu schreiben” *hüstel und vor Scham rot anlauf* kurzerhand von den Namen bis zur Story alles zusammengeklaut; fest in dem Glauben, das sei Kreativität. Nicht, dass das heute anders wäre, die Ideen für meine BK-Bilder klaue ich mir auch heute noch im Internet zusammen, allerdings rühre ich ein bisschen Eigeninitiative unter und vermische das mit mehreren anderen “Inspirationsquellen”, so dass nicht ganz so krass auffällt, wo ich mir Ideen “ausgeliehen” habe.
Oh, und wo wir vorhin das Wort “rumproleten” hatten. Das gab’s früher auch nicht, ist aber heute irgendwie gang und gäbe geworden. Genauso wie “fremdschämen”. Wobei ich letzteres wirklich für einen sinnvollen Neologismus halte, da “sich für jemanden schämen” meiner Meinung nach voraussetzt, dass man jemanden persönlich kennt, beziehungsweise dass die Gefahr besteht, dass das peinliche Verhalten eines anderes auf einen selbst zurückfällt, wohingegen fremdschämen diese persönliche Beziehung nicht voraussetzt. Zum Beispiel fremdschäme ich mich gelegentlich beim Scrubs-Gucken, wenn J.D. mal wieder in irgendein Fettnäpfchen tritt – obwohl mir das ja im Grunde egal sein könnte, weil dieses Verhalten ja sicher nicht auf mich zurückfallen wird. Naja, soviel dazu mal.
So, und zum Schluss nochmal was, das wirklich in die Kategorie “war früher besser” fällt: TV-Serien für Kinder. Mein Gott, was habe ich das Super RTL Programm früher geliebt, mit Sendungen wie Gummibärenbande, Käpt’n Balu und seine tollkühne Crew, Chip und Chap, DuckTales, Darkwing Duck, Goofy und Max, Mighty Ducks, Arielle… und wie sie alle hießen. Ich war süchtig danach. Süchtig. Und heute? Da wird im Grunde nur noch Scheiße produziert, ich sage nur Hannah Montana oder JONAS – Die Serie. Kein Wunder, dass unsere Jugend zu verblöden scheint, wenn ihr statt harmloser aber dafür qualitativ hochwertiger Zeichentrick-Serien irgendwelche Pseudo-Reality-Mist vom Fließband vorgesetzt wird. Ich mein, Leute, ganz ehrlich: An amerikanischen High Schools geht es nunmal nicht zu wie bei High School Musical. Das ist auch nur eine Schule, und in eine Schule geht man in allererster Linie, um dort etwas zu lernen, und nicht um zu singen und zu tanzen (es sei dann, man geht auf eine Waldorf-Schule *scnr*).
Aber gut, so wandeln sich die Zeiten. Was zu meiner Zeit Harry Potter war, ist heute Twilight. Super Nintendo ist PlayStation 3, Kassette ist iPod und VHS ist Bluray. Tempora fugant, wussten schon die alten Römer. Nichtsdestoweniger werde ich, wenn ich jemals Kinder haben sollte, mir den ganzen alten Super RTL Kram auf DVD oder Bluray oder was auch immer dann das Format der Zeit sein wird, besorgen und die das gucken lassen. Denn an die große Wende in Sachen televisionäre Verblöden glaube ich zumindest nicht mehr.
Soweit mal die kleine Rückschau auf those good ole days. Eigentlich wollte ich ja was über den neuen Journalisten-Sport “Eliten-Bashing” schreiben, das kommt dann vielleicht nächsten Monat
Jaah, ich weiß, es ist eigentlich Januar und ich bin zu spät dran mit dem Dezember-Eintrag. Was soll’s. Der Eintrag bezieht sich immerhin auf ein Buch, das ich im Dezember bekommen und da auch größtenteils gelesen habe, so what.
Also, zum Thema. Ich habe mir vorgenommen, mal ein paar Worte zu “Generation Doof – Wie blöd sind wir eigentlich?” von Stefan Bonner und Anne Weiss zu verlieren, das sich letztes dieses Jahr (also anno 2009) unter dem weihnachtlichen Tannenbaum fand. Ein Buch, das ich mir zwar nicht explizit gewünscht hatte, allerdings schon länger interessant fand und im Buchladen bereits öfter in der Hand gehalten hatte; mich fragend, ob ich die 8,95 Euro dafür ausgeben sollte oder nicht. Dementsprechend waren meine Erwartungen recht hoch…
Nun ja, was soll ich sagen? Sie wurden nicht erfüllt. Das Buch erhebt den Anspruch, aufzuzeigen, “wie dumm diese Generation wirklich ist”. Dass die beiden Autoren sich selbst zu dieser Generation Doof dazuzählen, ist dabei allerdings nur kurzzeitig von Vorteil, indem beim Leser die Hoffnung geweckt wird, er halte hier eine Art “Insiderbericht” in den Händern. In Wahrheit ist der “Insiderbericht” jedoch eher ein mit Offensichtlichkeiten gemaltes Selbstporträt, dass viel mehr Altbekanntes aufwärmt, als durch neue Erkenntnisse zu überzeugen… Doch langsam, gehen wir das Ganze mal Kapitel für Kapitel durch:
Einleitung: Der Siegeszug der Dummheit
Wie gesagt, die Autoren reiten gerne auf altbekannten Probleme rum. Im ersten Kapitel wären das zum Beispiel die Tatsache, dass Gewinner bei Miss-Wahlen oft einen Intelligenzquotienten im Bereich ihres BMI haben, sowie die Erkenntnis, dass der Douglas-Werbespruch “Come in and find out” eher ein Griff ins Klo war, was das Verständnis bei der Zielgruppe angeht. Garniert mit der pauschalen Behauptung, alle Menschen in Deutschland zwischen 0 und 45 seien Teil dieses intellektuellen Prekariats hat man so im Grunde auf acht Seiten bereits all das gesagt, was dann auf den folgenden 320 Seiten noch mal ordentlich ausgewalzt wird.
Alles Freizeit oder was?
Ein Kapitel, in dem die Autoren einen “normalen” Tag im Umfeld der Generation Doof beschreiben. Dass sie an diesem Tag scheinbar ausschließlich Menschen begegnen, die kognitiv deutlich zu früh abgebogen sind, kann man im Grunde auf genau zwei Weisen interpretieren, und beide sind nicht sehr schmeichelhaft für das Autorengespann. Denn entweder verkehren die beiden ausschließlich in Kreisen, die sich nur aus Evolutionsbremsen und Monosynaptikern mit Schlampenstempel auf dem Steißbein zusammensetzen; oder sie haben alle Begegnungen mit Menschen, die zwischen ihren Ohren mehr als einen Zettel “Ich schulde dir ein Gehirn. Gott” haben, schlichtweg unterschlagen, um so ihrer Nachricht vom blöden Deutschland mehr Nachdruck zu verleihen… (letzteres halte ich ehrlich gesagt für wahrscheinlicher).
Wie dem auch sei, viel Neues gab es auch hier nicht zu lesen. Stattdessen gab es Glückskeksweisheiten à la “Einer der Hauptgründe, warum unsere Generation als doof wahrgenommen wird, liegt in unserer mangelhaften Bildung” (S. 49) – NO SHIT SHERLOCK!
Oh, und noch so ein Lieblingskind der Autoren wird in diesem Kapitel zum ersten Mal aufgegriffen: Der Jugendwahn unserer Gesellschaft, der sich mittlerweile nicht mehr nur auf das physische Erscheinungsbild beschränkt (Stichwort: Mittvierzigerinnen in Hüfthosen etc.), sondern auch psychisch um sich greift, in dem er die Menschen von heute in eine Generation von Realitätsverweigerern verwandelt, die nicht erwachsen werden wollen. Soweit jedenfalls die Autoren. Ich persönlich würde ja nicht unbedingt von “Realitätsverweigerung” und “nicht erwachsen werden wollen” sprechen, nur weil sich die Erwachsenen von heute teilweise für Videospiele oder technische Spielereien wie ein 5.1-Surround-Sound-System begeistern können, aber ich nehme an, da kann man verschiedener Auffassung sein…
Bildung
Keine Ahnung warum das Kapitel Bildung heißt, viel damit zu tun hat es jedenfalls nicht. Ungefähr die erste Hälfte geht ausschließlich dafür drauf, um dem Leser vor Augen zu führen, was er angeblich alles nicht weiß; und um die finanzielle Imkompetenz der Deutschen von heute zu beleuchten. Dann endlich wendet man sich dem Ort zu, wo man die Wiege der Dummheit ausfinding gemacht zu haben glaubt: der Schule. Dass Stefan Bonner hier erstmal die Geschichte vom eigenen, absichtlich versenkten Mathe-Abitur zum Besten gibt, lässt zumindest bei mir allmählich den Verdacht aufkommen, dass es den Autoren für eine Kritik am deutschen Schulsystem ein wenig an Kompetenz mangelt.
Gut, wobei das Wort “Kritik” hier vielleicht ein wenig übertrieben ist. Kritisiert wird hier ja im Grunde nichts, stattdessen werden Geschichten aus der Vergangenheit der Autoren erzählt. Auch der Versuch, die Schwierigkeiten des Lehrerberufs zu beleuchten, versuppt sofort wieder in Pauschalformulierungen wie “Eines steht zumindest fest: Die geistigen Fähigkeiten der Generation Doof schrumpfen immer weiter auf Bröckchengröße” (S. 87). Allmählich gehen mir die ganzen Verallgemeinerungen ordentlich auf den Sack. Ich habe mittlerweile begriffen, dass die Autoren die heutige Generation für einen Haufen gesinnungsblonder PISA-Opfer halten, das muss nicht in jedem dritten Satz wiederholt werden…
Mehr kommt hier dann auch nicht mehr. Man legt noch mal den Finger auf die Wunde, indem man darauf hinweist, das Deutschland weniger für Bildung ausgibt als skandinavische Länder, und beklagt die Verschleuderung von Studiengebühren an deutschen Hochschulen.
Oh, doch, dann gibt’s doch noch “Neues”, zumindest für das Buch: In zwei Absätzen wird mal ganz kurz erwähnt, dass es abseits von Berufsschul-Gänxtas, Intelligenz-Allergikern und anderen kognitiv suboptimierten Individuen auch noch junge Menschen gibt, die ihr Gehirn benutzen, indem sie zum Beispiel eine eigene Firma gründen. Da das aber irgendwie nicht zur Gesamtaussage “Deutschland ist blöd” passt, wendet man sich lieber schnell wieder anderen Themen zu.
Beruf
(So, ab sofort halte ich die Kritik zu den einzelnen Kapiteln etwas knapper; erstens, weil eh nicht mehr viel Neues kommt, und zweitens, weil ich hier irgendwann auch mal fertigrezensiert haben will.)
Und heiter geht es weiter: Nicht nur in der Schule und der Uni verkackt die Generation Doof, auch im Berufsleben gewinnen wir keinen Blumentopf. Das beginnt damit, dass wir anscheinend schon viel zu dumm sind, als dass uns überhaupt ein Unternehmen einstellen würde. Die Tatsache, dass auch oder vor allem auch ältere Menschen (also alles vor der Generation Doof) zur Zeit keinen Job finden, wird dabei ignoriert (dieses Verfahren kennen wir ja bereits).
In diesem Kapitel wird allerdings auch ein Problem aufgegriffen, bei dem ich den Autoren nur zustimmen kann, und zwar die gnadenlose Verhätschelung von Kindern. Kein Wunder, dass Klein-Phillip-Leander in der Schule zu einem Arschlochkind wird, wenn seine Eltern ihm dauernd das Gefühl geben, er sei so unglaublich einzigartig und begabt und überhaupt genau das, worauf die Menschheit seit Urzeiten gewartet hat…
Naja, der Rest läuft dann wieder nach altbekanntem Schema: Man sucht Menschen raus, deren Lebensgeschichte an anderer Stelle als abschreckendes Beispiel durchgehen würde, und verkauft sie dem Leser als Durschnitts-Doofen, der repräsentativ ist für eine ganze Generation. Nebenbei regt man sich noch ein bisschen künstlich über die vom Denglischen durchzogene Business-Welt auf (ja, das war Absicht), um dann zu einem Fazit zu kommen, dass irgendwie nicht zu dem passen will, was im Kapitel selbst steht: “Es gibt also durchaus Hoffnung für die Generation Doof” (S. 152).
Unterhaltung, die man auch mit dem Zweiten besser nicht sehen sollte (= Fernsehen ist scheiße)
Was soll ich dazu noch sagen? Kernaussagen des Kapitels: Die Qualität des Fernsehens heutzutage ist bescheiden, auf YouTube findet man einen Haufen Quatsch und die Wirkung von Ballerspielen ist umstritten. ACH. KOMM. Wer hätte das gedacht? Und dafür gehen an dieser Stelle 60 Seiten drauf. Am besten schnell weiter…
Liebe
Dieses Buch lässt aber auch gar nichts aus… Ähm, ja. Das Kapitel beginnt damit, dass die Gesellschaft liebestechnisch in zwei Gruppen aufgeteilt wird: Die Fraktion der Player, Styler, Arschgeweihträgerinnen und anderen Diskotheken-Proleten, denen es um den schnellen, unverbindlichen Fick am Wochenende geht; und auf der anderen Seite die Gruppe der realitätsflüchtenden Endzeit-Romantiker, die sich in ihrer Wohnung aka Liebeshöhle mit Rosenblättern, Komplimenten und beschissenen Spitznamen à la “Hasipupsi” gegenseitig totkuscheln, bis es auch bei denen irgendwann nicht mehr läuft und sie sich ganz unromantisch den Laufpass geben, um drei Tage später eine(n) Neue(n) zu haben. NEIN VERDAMMT, WIR BETREIBEN HIER KEINE SCHWARZ-WEISS-MALEREI, WIE KOMMT DER DENN AUF SO EINEN UNSINN?!
Anschließend wird ein bisschen analysiert, wie die Generation Doof denn überhaupt an kopulationsbereite Objekte = Partner kommt: natürlich über das Internet! Mysteriöserweise wird bei Stefan Bronner und Anne Weiss jedoch selbst World of Warcraft zur multimedialen Partnerbörse. Langsam wundert mich hier gar nix mehr…
Irgendwie kriegen die beiden Autoren dann aber doch noch die Kurve zum nächsten und glücklicherweise auch letzten Thema:
Erziehung
Dass hier einiges im Argen liegt, hatte ich schon lange geahnt. Dank diesem Buch weiß ich jetzt auch endlich warum: Die Eltern von heute sind alles egoistische Arschlöcher, die viel lieber Zeit mit sich selbst verbringen, als sich der Erziehung ihrer Brut zu widmen! Entschuldigung, aber jeder der auch nur mal eine Sekunde lang “Super Nanny” geschaut hat (jaja, das böse Fernsehen) weiß das o__O. Denn dass besagtes Fernsehen als Erziehungshilfe ungeeignet ist, versteht sich eigentlich von selbst… Auf ähnliche Weise könnte man sich auch erschließen, dass McDonald’s nicht das ist, was man gemeinhin unter einer gesunden Ernährung versteht; aber bitte, das Buch ist von der Generation Doof für die Generation Doof, kein Wunder, dass hier niemand selber denkt.
Wie blöd sind wir denn nun wirklich?
Ach du Schande, ein Nachwort… aber was soll denn die Frage jetzt? Ist das nicht genau das, was ihr vorher 320 Seiten versucht habt zu erörtern? Wenn es hier denn wenigstens ein Fazit zu lesen gäbe, das einigermaßen zum Buch davor passt. Aber nein, das wäre ja langweilig.
Stattdessen gibt es zum Beispiel folgendes: “Dennoch können wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen: Hirnlosigkeit, Ignoranz, Naivität, Leichtgläubigkeit und Torheit hat es schon immer gegeben und wird es immer geben.” (S. 328) – Ja was denn nu? Haben wir das Recht auf Blödheit nun gepachtet oder nicht?! Oder: “Was wäre die Menschheit ohne Dummheit? Man hätte weniger zu lachen.” (S. 329) – Erst schimpft man hunderte Seiten lang darüber, dass wir alle blöd sind, und plötzlichen sollen wir das gut und lustig finden? Entschuldigung, aber ich glaube, hier ist es an der Zeit für ein gepflegtes WHAT THE FUCK?!
Naja, und so endet das Buch, wie es begonnen hat: Als ein Wirrwarr von Pauschalitäten, allgemein Bekanntem und einer ordentlichen Prise mangelhafter Argumentationslogik.
Uff… Das war’s. Was soll ich noch sagen? Dass das Buch für mich spätestens da verloren hatte, als die Autoren Michael Moores (durchaus unterhaltsame, aber nicht wirklich ernstzunehmende) Polemik als Bildung bezeichneten und als kritisch lobten? Oder dass die größte Erkenntnis, die ich beim Lesen hatte, folgende war: Wenn Hellmut Karasek ein Buch “bemerkenswert” nennt, meint er damit nicht automatisch “bemerkenswert gut”?
Ich weiß es nicht. Streckenweise war das Ganze ja schon recht unterhaltsam, und die Autoren sind auch durchaus wortgewandt und hatten einige Formulierungen auf Lager, bei denen ich wirklich lachen musste, aber irgendwie… der Stil… ist kein Stil, in dem man Bücher schreibt. Der Stil wäre eher für eine Kolumne geeignet, da würde es auch nicht so sehr auffallen, wenn man sich andauernd wiederholt.
Deswegen würde ich abschließend 2 von 5 möglichen Sternen vergeben. Aber auch nur, weil ich das Buch zu Weihnachten bekommen habe.
Achtung: Der folgende Artikel kann unter anderem Spuren von Frust, Zynismus, einem misantrophischen Weltbild und Erdnüssen enthalten.
Es kotzt mich an. Alles. Schule. Leben. ALLES! Neun verdammte Klausuren bis Weihnachten. Davon drei allein diese Woche -.-’
Morgen Sport. Wer denkt sich das eigentlich aus?! Irgendwelche Pappnasen-Sportler in weißen Kitteln, die ganze Bücher voller Glückskeksweisheiten a la “Jede Bewegung erfordert Kraft” schreiben und das dann eine Wissenschaft nennen. Bah, nee, ich krieg zu viel. Übermorgen BK. Sechsundrölfzigtausend Merkmale aller Epochen zwischen Gotik und dem Tag, als der Mensch das Rad erfand; jedenfalls kommt es mir so vor. Archaisches Lächeln, romanische Gottesburg – so interessant es auch sein mag, ich will dieses Zeug nicht auswendig lernen müssen!
Und am Freitag dann Geschichte. Das kann ja auch was werden. Diese Laberfächer. Das war mal meine Spezialität, damals, als man es mit einer guten Allgemeinbildung und etwas angelesenem Fachwissen zum Thema noch zu etwas brachte. Jetzt heißt es ja nur noch “erörtern Sie hier”, “interpretieren sie da”, “machen Sie sich eigene Gedanken zu sell und jenem”. Meine Fresse, wenn ich mir alles aus den Fingern sauge, woher kommt dann der Maßstab für eine objektive Korrektur?!
Aber dass es auch mit einem objektiven Maßstab beschissen laufen kann, hat ja die Wirtschafts-Klausur eindrucksvoll bewiesen: fabulöse 12 Punkte, und damit einer der vier Klassenbesten. Na super. Und das nur, weil das Geschriebene letztlich einen Dreck gezählt hat, da bei der Korrektur nur abgehakt wurde, ob bestimmte Stichwörter vorhanden sind, die auf einem – vermutlich nach der Klausur entstandenen – Erwartungshorizont standen. Thema verstanden? – Wen interessiert’s, Hauptsache einen formal korrekten Einleitungssatz beim Operator “Herausarbeiten”.
Meine Güte, wirklich. Und in den anderen Fächern geht es ja gerade so weiter. Keine Klausur mehr, mit der ich wirklich zufrieden bin. Vierzehn Punkte in Deutsch, ja am Arsch, warum quäl ich mich denn dann überhaupt durch den Kohlhaas?! Wenigstens die 15 Punkte für meine Oscar Wilde-GSL in Englisch haben den Aufwand dafür einigermaßen entschädigt. Das Klausurergebnis steht allerdings noch aus; und wenn auch nur der geringste Zweifel besteht, dass das in Bezug auf das Zeugnis unzufriedenstellend sein könnte, werde ich jegliche Bemühungen, “loud and clearly” zu sprechen, sofort wieder einstellen. Ist doch nicht mein Problem, wenn die gute Frau die Sprache, die sie studiert hat, nicht versteht o.O
Ich glaube ja, dass das alles an diesem nervigen Kerl liegt, der jeden morgen im Bus sitzt und alle anderen Anwesenden mit Geschichten aus seinem beschissenen Leben “erfreut”. So strunzblöd wie dieser … Mensch ist, macht der wahrscheinlich eine Berufsausbildung zum Betriebsdeppfachangestellten, weil es zum Vollidioten nicht gereicht hat. Ich bin mir geradezu sicher, dass dieser Kerl mein Karma negativ beeinflusst und für die allgemein beschissene Gesamtsituation überhaupt erst verantwortlich ist. Was wundere ich mich auch, wenn bei der Präsenz dieser ganzen kognitiv zu früh abgebogenen Vollspaten (es gäbe nämlich noch mehr Geschichten, aber die erspare ich mir und euch an dieser Stelle) auch meine intellektuellen Leistungen zu kränkeln beginnen?
Jop. Und bei diesem riesigen Haufen nervendem Scheiß, der sich mein Leben nennt, soll man dann am besten auch noch froh und munter sein und fröhlich vorweihnachtlich gestimmt über Weihnachtsmärkte bummeln und Geschenke kaufen. Vergisses. Geschenke werden dieses Jahr im Internet bestellt, da habe ich wenigstens keine Rennerei. Und Weihnachtsmärkte sind, wenn man nichts für Glühwein übrig hat, sowieso nur ein widerliches Kommerzfest, bei dem man vom Staubsauger bis zum Falafel alles kriegen kann, was dem Volk das Geld aus der Tasche lockt. Wahrscheinlich findet man sogar einen Sklavenhandel, wenn man nur lang genug sucht.

Yussufs Dönerbude reiht sich neben Rudis Raubkopienkiste, Sylvie’s esoterischer Stein-Shop (mit fettem Deppenapostroph, versteht sich) neben dem billigen Modeschmuck-Made-in-China-Ramsch-Stand… es ist ein Fest, aber sicherlich nicht das der Liebe und des Friedens. Eher eins des ungläubigen Staunens über das, was im crashgebeutelten Kapitalismus anno 2009 eben möglich ist. Ich glaube, wenn ich irgendwann mal Herrn Schäuble mit seinem dämliche Gerede vom Kampf gegen den Terrorismus treffe, dann sage ich ihm, dass er mit seinem Kampf gerne auch beim Konsum-Terror in der Vorweihnachtszeit anfangen könnte.
Klar, es ist jedes Jahr die selbe Leier. “Wäh, Scheiße, Nikoläuse und Lebkuchen im August, schon im Herbst sind alle Schaufenster voll mit Kunstschnee, scheiß Kapitalismus, blaah”. Na und, es ist ja die Wahrheit, und weil mir gerade sowieso alles kräftig auf den Sack geht, darf ich auch darüber meckern.
Wenn ich schon mal dabei bin, könnte ich ja auch mal über das Wetter meckern. Tu ich aber nicht, denn im Grunde mag ich so verregnete, depressive Mistwetter-Tage nämlich. Ich könnte auch über die Politik reden, aber das ist ja noch sinnloser: Die Wahl liegt zwei Monate zurück, und außer der Tatsache, dass man Frau von der Leyen endlich ein Ressort gegeben hat, das dermaßen darnieder liegt, dass selbst sie nichts mehr kaputt machen kann, und dem Fakt, dass unser Bundespräsident, der dieses Pseudoschutzgesetz gegen Kinderpornos nicht unterschreiben will, der letzte vernünftige Mensch in Berlin zu sein scheint, hat die Regierung ja nichts Handfestes vorzuweisen. Gut, das Bündel gebrochener Versprechungen, aber das war ja sowieso klar. Im Grunde also ein regelrechtes Rumgeschrödere, fast wie vor 11 Jahren, als Rot-Grün bei Amtsantritt auch nichts auf die Reihe bekommen hat außer Kritik außer der Opposition zu ernten. Aber die ist ja zur Zeit auch erstaunlich still, wahrscheinlich sind die alle schon in den Weihnachtsferien.
Weihnachtsferien, das ist ein gutes Stichwort. Die hätte ich jetzt auch gerne. Aber zwischen denen und mir stehen noch drei lange, harte Wochen, in denen ich nicht nur eine beschissene Biochemie-Klausuren schreiben und mich mit Kafkas Psychosen in Prosa auseinandersetzen muss, sondern auch noch an einem dämlichen Planspiel teilnehme, bei dem das Einzige, was ich bislang gelernt habe, die Tatsache ist, dass derjenige, der den Flummi erfunden hat, wohl so eine Art Prototyp unternehmerischer Innovation war…
So weit mal das Gemeckere für den November. Es war nötig, glaubt es mir.

Portland Head Lighthouse in Cape Elizabeth, Maine.
Ich will da hin. Jetzt. Sofort.
… der beim Anblick der aktuellen CDU-Wahlplakate ein kleines Déjà-vu-Erlebnis hatte?

Ansonsten, was soll “Wir wählen die Kanzlerin” eigentlich für ein Wahlkampf-Motto sein? Das Ganze ist ja wohl viel mehr ein Offenbarungseid der Union, die diesmal gleich ganz auf Wahlkampfversprechen verzichtet, an denen sie nachher gemessen werden könnte.
Nachtrag vom 1. Oktober 2010
Neueste Erkenntnisse aus der Schweiz erhärten den oben geäußerten Verdacht bezüglich einer Verbindung zwischen Angela Merkel und Monty Burns:


Auch nach zigmaligem Ansehen könnte ich mich bei Lettermans Gesichtsausdruck immer noch wegschmeißen vor Lachen, als Obama ihm verrät, dass er bereits vor der Wahl schwarz war:
Obama: Well, first of all, I think it’s important to realize that I was actually black before the election, so…
Letterman: Really? Is this true?
Obama: This is true.
Letterman: How long have you been a black man?
Die ganze Folge (die ich für ziemlich sehenswert und unterhaltsam halte), gibt es auf watch-letterman.com. Jedenfalls zur Zeit, ansonsten ist YouTube euer Freund.
(Entschuldigung, ich habe gerade eine gewisse Freunde an random posts wie diesem. Vor allem, weil dadurch der ganze uralte Kram mal vom Seitenende verschwindet.)
Das dürften sich gestern Abend die Vertreter von CDU und FDP gedacht haben, als das vorläufige Endergebnis der Kinder- und Jugendwahl U18 2009 bekannt gegeben wurde:

Denn wenn es nach dem nicht volljährigen Teil der Bevölkerung ginge, wäre schwarz-gelb so weit von einer Regierungsbeteiligung entfernt wie nie zuvor. Und selbst eine große Koalition wäre keine Option mehr. Dafür mit der Tierschutz-Partei und den Piraten zwei gänzlich neue Parteien im Bundestag.
Die Grünen dürften sich natürlich freuen, nach der SPD zweitstärkste Partei zu sein – für rot-grün würde es trotzdem nicht reichen, ja selbst rot-rot-grün wäre kaum regierungsfähig.
Doch halt, worum geht es überhaupt? Was ist die Jugendwahl U18?
U18 ist die größte politische Bildungsinitiative für Kinder und Jugendliche in Deutschland.
Ihr Ziel ist es, junge Menschen dabei zu unterstützen, Politik zu verstehen, Unterschiede in den Partei- und Wahlprogrammen zu erkennen und Versprechen von Politikerinnen und Politikern zu hinterfragen. Im Vordergrund steht dabei, dass Kinder und Jugendliche ihre eigenen Interessen erkennen und formulieren lernen, selbst Antworten auf politische Fragen finden – und aktiv ihre eigene Lebenswelt mitgestalten.
Höhepunkt des Jugendwahlprojektes U18 ist die U18-Wahl am 18.09.2009, bei der alle Menschen unter 18 Jahren ihre Stimme abgeben können. Die U18-Wahl ist analog zur neun Tage später folgenden, echten Bundestagswahl organisiert.
(Quelle: u18.org)
Gut, ich denke, wer noch mehr dazu wissen will, klickt einfach mal auf die Links und liest sich selber durch die Seiten.
Ansonsten nur noch ein paar Gedanken von mir: Ich finde es ja bezeichnend – wenngleich nicht sehr überraschend – wie schlecht die Union abgeschnitten hat. Dass gleichzeitig die Piratenpartei in den imaginären Bundestag gewählt wurde, macht irgendwie Hoffnung, dass das momentane, verkrustete Parteiensystem sich in Zukunft wandeln könnte.
Bedenklich hingegen finde ich jedoch, dass die NPD unter den Kindern und Jugendlichen ganze 4,2% geholt hat. Bei etwas über 125.000 Stimmen entspricht das über 5000! Wählern. Dass die allermeisten davon aus dem Osten kommen, ist leider kein Vorurteil, sondern Fakt. Im Wahlkreis Zwickau wäre die NPD mit über 20% der dortigen Stimmen sogar zweistärkste Partei.
Hier sehe ich deutlichen Handlungsbedarf für die echte Politik. Es kann doch nicht wahr sein, dass heutzutage in jeder Schulklasse mit 20 Leuten mindestens einer sitzt, der einer rechtsradikalen Partei seine Stimme geben würde!



U18 ist die größte politische Bildungsinitiative für Kinder und Jugendliche in Deutschland.