Jaah, ich weiß, es ist eigentlich Januar und ich bin zu spät dran mit dem Dezember-Eintrag. Was soll’s. Der Eintrag bezieht sich immerhin auf ein Buch, das ich im Dezember bekommen und da auch größtenteils gelesen habe, so what.
Also, zum Thema. Ich habe mir vorgenommen, mal ein paar Worte zu “Generation Doof – Wie blöd sind wir eigentlich?” von Stefan Bonner und Anne Weiss zu verlieren, das sich letztes dieses Jahr (also anno 2009) unter dem weihnachtlichen Tannenbaum fand. Ein Buch, das ich mir zwar nicht explizit gewünscht hatte, allerdings schon länger interessant fand und im Buchladen bereits öfter in der Hand gehalten hatte; mich fragend, ob ich die 8,95 Euro dafür ausgeben sollte oder nicht. Dementsprechend waren meine Erwartungen recht hoch…
Nun ja, was soll ich sagen? Sie wurden nicht erfüllt. Das Buch erhebt den Anspruch, aufzuzeigen, “wie dumm diese Generation wirklich ist”. Dass die beiden Autoren sich selbst zu dieser Generation Doof dazuzählen, ist dabei allerdings nur kurzzeitig von Vorteil, indem beim Leser die Hoffnung geweckt wird, er halte hier eine Art “Insiderbericht” in den Händern. In Wahrheit ist der “Insiderbericht” jedoch eher ein mit Offensichtlichkeiten gemaltes Selbstporträt, dass viel mehr Altbekanntes aufwärmt, als durch neue Erkenntnisse zu überzeugen… Doch langsam, gehen wir das Ganze mal Kapitel für Kapitel durch:
Einleitung: Der Siegeszug der Dummheit
Wie gesagt, die Autoren reiten gerne auf altbekannten Probleme rum. Im ersten Kapitel wären das zum Beispiel die Tatsache, dass Gewinner bei Miss-Wahlen oft einen Intelligenzquotienten im Bereich ihres BMI haben, sowie die Erkenntnis, dass der Douglas-Werbespruch “Come in and find out” eher ein Griff ins Klo war, was das Verständnis bei der Zielgruppe angeht. Garniert mit der pauschalen Behauptung, alle Menschen in Deutschland zwischen 0 und 45 seien Teil dieses intellektuellen Prekariats hat man so im Grunde auf acht Seiten bereits all das gesagt, was dann auf den folgenden 320 Seiten noch mal ordentlich ausgewalzt wird.
Alles Freizeit oder was?
Ein Kapitel, in dem die Autoren einen “normalen” Tag im Umfeld der Generation Doof beschreiben. Dass sie an diesem Tag scheinbar ausschließlich Menschen begegnen, die kognitiv deutlich zu früh abgebogen sind, kann man im Grunde auf genau zwei Weisen interpretieren, und beide sind nicht sehr schmeichelhaft für das Autorengespann. Denn entweder verkehren die beiden ausschließlich in Kreisen, die sich nur aus Evolutionsbremsen und Monosynaptikern mit Schlampenstempel auf dem Steißbein zusammensetzen; oder sie haben alle Begegnungen mit Menschen, die zwischen ihren Ohren mehr als einen Zettel “Ich schulde dir ein Gehirn. Gott” haben, schlichtweg unterschlagen, um so ihrer Nachricht vom blöden Deutschland mehr Nachdruck zu verleihen… (letzteres halte ich ehrlich gesagt für wahrscheinlicher).
Wie dem auch sei, viel Neues gab es auch hier nicht zu lesen. Stattdessen gab es Glückskeksweisheiten à la “Einer der Hauptgründe, warum unsere Generation als doof wahrgenommen wird, liegt in unserer mangelhaften Bildung” (S. 49) – NO SHIT SHERLOCK!
Oh, und noch so ein Lieblingskind der Autoren wird in diesem Kapitel zum ersten Mal aufgegriffen: Der Jugendwahn unserer Gesellschaft, der sich mittlerweile nicht mehr nur auf das physische Erscheinungsbild beschränkt (Stichwort: Mittvierzigerinnen in Hüfthosen etc.), sondern auch psychisch um sich greift, in dem er die Menschen von heute in eine Generation von Realitätsverweigerern verwandelt, die nicht erwachsen werden wollen. Soweit jedenfalls die Autoren. Ich persönlich würde ja nicht unbedingt von “Realitätsverweigerung” und “nicht erwachsen werden wollen” sprechen, nur weil sich die Erwachsenen von heute teilweise für Videospiele oder technische Spielereien wie ein 5.1-Surround-Sound-System begeistern können, aber ich nehme an, da kann man verschiedener Auffassung sein…
Bildung
Keine Ahnung warum das Kapitel Bildung heißt, viel damit zu tun hat es jedenfalls nicht. Ungefähr die erste Hälfte geht ausschließlich dafür drauf, um dem Leser vor Augen zu führen, was er angeblich alles nicht weiß; und um die finanzielle Imkompetenz der Deutschen von heute zu beleuchten. Dann endlich wendet man sich dem Ort zu, wo man die Wiege der Dummheit ausfinding gemacht zu haben glaubt: der Schule. Dass Stefan Bonner hier erstmal die Geschichte vom eigenen, absichtlich versenkten Mathe-Abitur zum Besten gibt, lässt zumindest bei mir allmählich den Verdacht aufkommen, dass es den Autoren für eine Kritik am deutschen Schulsystem ein wenig an Kompetenz mangelt.
Gut, wobei das Wort “Kritik” hier vielleicht ein wenig übertrieben ist. Kritisiert wird hier ja im Grunde nichts, stattdessen werden Geschichten aus der Vergangenheit der Autoren erzählt. Auch der Versuch, die Schwierigkeiten des Lehrerberufs zu beleuchten, versuppt sofort wieder in Pauschalformulierungen wie “Eines steht zumindest fest: Die geistigen Fähigkeiten der Generation Doof schrumpfen immer weiter auf Bröckchengröße” (S. 87). Allmählich gehen mir die ganzen Verallgemeinerungen ordentlich auf den Sack. Ich habe mittlerweile begriffen, dass die Autoren die heutige Generation für einen Haufen gesinnungsblonder PISA-Opfer halten, das muss nicht in jedem dritten Satz wiederholt werden…
Mehr kommt hier dann auch nicht mehr. Man legt noch mal den Finger auf die Wunde, indem man darauf hinweist, das Deutschland weniger für Bildung ausgibt als skandinavische Länder, und beklagt die Verschleuderung von Studiengebühren an deutschen Hochschulen.
Oh, doch, dann gibt’s doch noch “Neues”, zumindest für das Buch: In zwei Absätzen wird mal ganz kurz erwähnt, dass es abseits von Berufsschul-Gänxtas, Intelligenz-Allergikern und anderen kognitiv suboptimierten Individuen auch noch junge Menschen gibt, die ihr Gehirn benutzen, indem sie zum Beispiel eine eigene Firma gründen. Da das aber irgendwie nicht zur Gesamtaussage “Deutschland ist blöd” passt, wendet man sich lieber schnell wieder anderen Themen zu.
Beruf
(So, ab sofort halte ich die Kritik zu den einzelnen Kapiteln etwas knapper; erstens, weil eh nicht mehr viel Neues kommt, und zweitens, weil ich hier irgendwann auch mal fertigrezensiert haben will.)
Und heiter geht es weiter: Nicht nur in der Schule und der Uni verkackt die Generation Doof, auch im Berufsleben gewinnen wir keinen Blumentopf. Das beginnt damit, dass wir anscheinend schon viel zu dumm sind, als dass uns überhaupt ein Unternehmen einstellen würde. Die Tatsache, dass auch oder vor allem auch ältere Menschen (also alles vor der Generation Doof) zur Zeit keinen Job finden, wird dabei ignoriert (dieses Verfahren kennen wir ja bereits).
In diesem Kapitel wird allerdings auch ein Problem aufgegriffen, bei dem ich den Autoren nur zustimmen kann, und zwar die gnadenlose Verhätschelung von Kindern. Kein Wunder, dass Klein-Phillip-Leander in der Schule zu einem Arschlochkind wird, wenn seine Eltern ihm dauernd das Gefühl geben, er sei so unglaublich einzigartig und begabt und überhaupt genau das, worauf die Menschheit seit Urzeiten gewartet hat…
Naja, der Rest läuft dann wieder nach altbekanntem Schema: Man sucht Menschen raus, deren Lebensgeschichte an anderer Stelle als abschreckendes Beispiel durchgehen würde, und verkauft sie dem Leser als Durschnitts-Doofen, der repräsentativ ist für eine ganze Generation. Nebenbei regt man sich noch ein bisschen künstlich über die vom Denglischen durchzogene Business-Welt auf (ja, das war Absicht), um dann zu einem Fazit zu kommen, dass irgendwie nicht zu dem passen will, was im Kapitel selbst steht: “Es gibt also durchaus Hoffnung für die Generation Doof” (S. 152).
Unterhaltung, die man auch mit dem Zweiten besser nicht sehen sollte (= Fernsehen ist scheiße)
Was soll ich dazu noch sagen? Kernaussagen des Kapitels: Die Qualität des Fernsehens heutzutage ist bescheiden, auf YouTube findet man einen Haufen Quatsch und die Wirkung von Ballerspielen ist umstritten. ACH. KOMM. Wer hätte das gedacht? Und dafür gehen an dieser Stelle 60 Seiten drauf. Am besten schnell weiter…
Liebe
Dieses Buch lässt aber auch gar nichts aus… Ähm, ja. Das Kapitel beginnt damit, dass die Gesellschaft liebestechnisch in zwei Gruppen aufgeteilt wird: Die Fraktion der Player, Styler, Arschgeweihträgerinnen und anderen Diskotheken-Proleten, denen es um den schnellen, unverbindlichen Fick am Wochenende geht; und auf der anderen Seite die Gruppe der realitätsflüchtenden Endzeit-Romantiker, die sich in ihrer Wohnung aka Liebeshöhle mit Rosenblättern, Komplimenten und beschissenen Spitznamen à la “Hasipupsi” gegenseitig totkuscheln, bis es auch bei denen irgendwann nicht mehr läuft und sie sich ganz unromantisch den Laufpass geben, um drei Tage später eine(n) Neue(n) zu haben. NEIN VERDAMMT, WIR BETREIBEN HIER KEINE SCHWARZ-WEISS-MALEREI, WIE KOMMT DER DENN AUF SO EINEN UNSINN?!
Anschließend wird ein bisschen analysiert, wie die Generation Doof denn überhaupt an kopulationsbereite Objekte = Partner kommt: natürlich über das Internet! Mysteriöserweise wird bei Stefan Bronner und Anne Weiss jedoch selbst World of Warcraft zur multimedialen Partnerbörse. Langsam wundert mich hier gar nix mehr…
Irgendwie kriegen die beiden Autoren dann aber doch noch die Kurve zum nächsten und glücklicherweise auch letzten Thema:
Erziehung
Dass hier einiges im Argen liegt, hatte ich schon lange geahnt. Dank diesem Buch weiß ich jetzt auch endlich warum: Die Eltern von heute sind alles egoistische Arschlöcher, die viel lieber Zeit mit sich selbst verbringen, als sich der Erziehung ihrer Brut zu widmen! Entschuldigung, aber jeder der auch nur mal eine Sekunde lang “Super Nanny” geschaut hat (jaja, das böse Fernsehen) weiß das o__O. Denn dass besagtes Fernsehen als Erziehungshilfe ungeeignet ist, versteht sich eigentlich von selbst… Auf ähnliche Weise könnte man sich auch erschließen, dass McDonald’s nicht das ist, was man gemeinhin unter einer gesunden Ernährung versteht; aber bitte, das Buch ist von der Generation Doof für die Generation Doof, kein Wunder, dass hier niemand selber denkt.
Wie blöd sind wir denn nun wirklich?
Ach du Schande, ein Nachwort… aber was soll denn die Frage jetzt? Ist das nicht genau das, was ihr vorher 320 Seiten versucht habt zu erörtern? Wenn es hier denn wenigstens ein Fazit zu lesen gäbe, das einigermaßen zum Buch davor passt. Aber nein, das wäre ja langweilig.
Stattdessen gibt es zum Beispiel folgendes: “Dennoch können wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen: Hirnlosigkeit, Ignoranz, Naivität, Leichtgläubigkeit und Torheit hat es schon immer gegeben und wird es immer geben.” (S. 328) – Ja was denn nu? Haben wir das Recht auf Blödheit nun gepachtet oder nicht?! Oder: “Was wäre die Menschheit ohne Dummheit? Man hätte weniger zu lachen.” (S. 329) – Erst schimpft man hunderte Seiten lang darüber, dass wir alle blöd sind, und plötzlichen sollen wir das gut und lustig finden? Entschuldigung, aber ich glaube, hier ist es an der Zeit für ein gepflegtes WHAT THE FUCK?!
Naja, und so endet das Buch, wie es begonnen hat: Als ein Wirrwarr von Pauschalitäten, allgemein Bekanntem und einer ordentlichen Prise mangelhafter Argumentationslogik.
Uff… Das war’s. Was soll ich noch sagen? Dass das Buch für mich spätestens da verloren hatte, als die Autoren Michael Moores (durchaus unterhaltsame, aber nicht wirklich ernstzunehmende) Polemik als Bildung bezeichneten und als kritisch lobten? Oder dass die größte Erkenntnis, die ich beim Lesen hatte, folgende war: Wenn Hellmut Karasek ein Buch “bemerkenswert” nennt, meint er damit nicht automatisch “bemerkenswert gut”?
Ich weiß es nicht. Streckenweise war das Ganze ja schon recht unterhaltsam, und die Autoren sind auch durchaus wortgewandt und hatten einige Formulierungen auf Lager, bei denen ich wirklich lachen musste, aber irgendwie… der Stil… ist kein Stil, in dem man Bücher schreibt. Der Stil wäre eher für eine Kolumne geeignet, da würde es auch nicht so sehr auffallen, wenn man sich andauernd wiederholt.
Deswegen würde ich abschließend 2 von 5 möglichen Sternen vergeben. Aber auch nur, weil ich das Buch zu Weihnachten bekommen habe.
Achtung: Der folgende Artikel kann unter anderem Spuren von Frust, Zynismus, einem misantrophischen Weltbild und Erdnüssen enthalten.
Es kotzt mich an. Alles. Schule. Leben. ALLES! Neun verdammte Klausuren bis Weihnachten. Davon drei allein diese Woche -.-’
Morgen Sport. Wer denkt sich das eigentlich aus?! Irgendwelche Pappnasen-Sportler in weißen Kitteln, die ganze Bücher voller Glückskeksweisheiten a la “Jede Bewegung erfordert Kraft” schreiben und das dann eine Wissenschaft nennen. Bah, nee, ich krieg zu viel. Übermorgen BK. Sechsundrölfzigtausend Merkmale aller Epochen zwischen Gotik und dem Tag, als der Mensch das Rad erfand; jedenfalls kommt es mir so vor. Archaisches Lächeln, romanische Gottesburg – so interessant es auch sein mag, ich will dieses Zeug nicht auswendig lernen müssen!
Und am Freitag dann Geschichte. Das kann ja auch was werden. Diese Laberfächer. Das war mal meine Spezialität, damals, als man es mit einer guten Allgemeinbildung und etwas angelesenem Fachwissen zum Thema noch zu etwas brachte. Jetzt heißt es ja nur noch “erörtern Sie hier”, “interpretieren sie da”, “machen Sie sich eigene Gedanken zu sell und jenem”. Meine Fresse, wenn ich mir alles aus den Fingern sauge, woher kommt dann der Maßstab für eine objektive Korrektur?!
Aber dass es auch mit einem objektiven Maßstab beschissen laufen kann, hat ja die Wirtschafts-Klausur eindrucksvoll bewiesen: fabulöse 12 Punkte, und damit einer der vier Klassenbesten. Na super. Und das nur, weil das Geschriebene letztlich einen Dreck gezählt hat, da bei der Korrektur nur abgehakt wurde, ob bestimmte Stichwörter vorhanden sind, die auf einem – vermutlich nach der Klausur entstandenen – Erwartungshorizont standen. Thema verstanden? – Wen interessiert’s, Hauptsache einen formal korrekten Einleitungssatz beim Operator “Herausarbeiten”.
Meine Güte, wirklich. Und in den anderen Fächern geht es ja gerade so weiter. Keine Klausur mehr, mit der ich wirklich zufrieden bin. Vierzehn Punkte in Deutsch, ja am Arsch, warum quäl ich mich denn dann überhaupt durch den Kohlhaas?! Wenigstens die 15 Punkte für meine Oscar Wilde-GSL in Englisch haben den Aufwand dafür einigermaßen entschädigt. Das Klausurergebnis steht allerdings noch aus; und wenn auch nur der geringste Zweifel besteht, dass das in Bezug auf das Zeugnis unzufriedenstellend sein könnte, werde ich jegliche Bemühungen, “loud and clearly” zu sprechen, sofort wieder einstellen. Ist doch nicht mein Problem, wenn die gute Frau die Sprache, die sie studiert hat, nicht versteht o.O
Ich glaube ja, dass das alles an diesem nervigen Kerl liegt, der jeden morgen im Bus sitzt und alle anderen Anwesenden mit Geschichten aus seinem beschissenen Leben “erfreut”. So strunzblöd wie dieser … Mensch ist, macht der wahrscheinlich eine Berufsausbildung zum Betriebsdeppfachangestellten, weil es zum Vollidioten nicht gereicht hat. Ich bin mir geradezu sicher, dass dieser Kerl mein Karma negativ beeinflusst und für die allgemein beschissene Gesamtsituation überhaupt erst verantwortlich ist. Was wundere ich mich auch, wenn bei der Präsenz dieser ganzen kognitiv zu früh abgebogenen Vollspaten (es gäbe nämlich noch mehr Geschichten, aber die erspare ich mir und euch an dieser Stelle) auch meine intellektuellen Leistungen zu kränkeln beginnen?
Jop. Und bei diesem riesigen Haufen nervendem Scheiß, der sich mein Leben nennt, soll man dann am besten auch noch froh und munter sein und fröhlich vorweihnachtlich gestimmt über Weihnachtsmärkte bummeln und Geschenke kaufen. Vergisses. Geschenke werden dieses Jahr im Internet bestellt, da habe ich wenigstens keine Rennerei. Und Weihnachtsmärkte sind, wenn man nichts für Glühwein übrig hat, sowieso nur ein widerliches Kommerzfest, bei dem man vom Staubsauger bis zum Falafel alles kriegen kann, was dem Volk das Geld aus der Tasche lockt. Wahrscheinlich findet man sogar einen Sklavenhandel, wenn man nur lang genug sucht.

Yussufs Dönerbude reiht sich neben Rudis Raubkopienkiste, Sylvie’s esoterischer Stein-Shop (mit fettem Deppenapostroph, versteht sich) neben dem billigen Modeschmuck-Made-in-China-Ramsch-Stand… es ist ein Fest, aber sicherlich nicht das der Liebe und des Friedens. Eher eins des ungläubigen Staunens über das, was im crashgebeutelten Kapitalismus anno 2009 eben möglich ist. Ich glaube, wenn ich irgendwann mal Herrn Schäuble mit seinem dämliche Gerede vom Kampf gegen den Terrorismus treffe, dann sage ich ihm, dass er mit seinem Kampf gerne auch beim Konsum-Terror in der Vorweihnachtszeit anfangen könnte.
Klar, es ist jedes Jahr die selbe Leier. “Wäh, Scheiße, Nikoläuse und Lebkuchen im August, schon im Herbst sind alle Schaufenster voll mit Kunstschnee, scheiß Kapitalismus, blaah”. Na und, es ist ja die Wahrheit, und weil mir gerade sowieso alles kräftig auf den Sack geht, darf ich auch darüber meckern.
Wenn ich schon mal dabei bin, könnte ich ja auch mal über das Wetter meckern. Tu ich aber nicht, denn im Grunde mag ich so verregnete, depressive Mistwetter-Tage nämlich. Ich könnte auch über die Politik reden, aber das ist ja noch sinnloser: Die Wahl liegt zwei Monate zurück, und außer der Tatsache, dass man Frau von der Leyen endlich ein Ressort gegeben hat, das dermaßen darnieder liegt, dass selbst sie nichts mehr kaputt machen kann, und dem Fakt, dass unser Bundespräsident, der dieses Pseudoschutzgesetz gegen Kinderpornos nicht unterschreiben will, der letzte vernünftige Mensch in Berlin zu sein scheint, hat die Regierung ja nichts Handfestes vorzuweisen. Gut, das Bündel gebrochener Versprechungen, aber das war ja sowieso klar. Im Grunde also ein regelrechtes Rumgeschrödere, fast wie vor 11 Jahren, als Rot-Grün bei Amtsantritt auch nichts auf die Reihe bekommen hat außer Kritik außer der Opposition zu ernten. Aber die ist ja zur Zeit auch erstaunlich still, wahrscheinlich sind die alle schon in den Weihnachtsferien.
Weihnachtsferien, das ist ein gutes Stichwort. Die hätte ich jetzt auch gerne. Aber zwischen denen und mir stehen noch drei lange, harte Wochen, in denen ich nicht nur eine beschissene Biochemie-Klausuren schreiben und mich mit Kafkas Psychosen in Prosa auseinandersetzen muss, sondern auch noch an einem dämlichen Planspiel teilnehme, bei dem das Einzige, was ich bislang gelernt habe, die Tatsache ist, dass derjenige, der den Flummi erfunden hat, wohl so eine Art Prototyp unternehmerischer Innovation war…
So weit mal das Gemeckere für den November. Es war nötig, glaubt es mir.

Portland Head Lighthouse in Cape Elizabeth, Maine.
Ich will da hin. Jetzt. Sofort.
… der beim Anblick der aktuellen CDU-Wahlplakate ein kleines Déjà-vu-Erlebnis hatte?

Ansonsten, was soll “Wir wählen die Kanzlerin” eigentlich für ein Wahlkampf-Motto sein? Das Ganze ist ja wohl viel mehr ein Offenbarungseid der Union, die diesmal gleich ganz auf Wahlkampfversprechen verzichtet, an denen sie nachher gemessen werden könnte.
Nachtrag vom 1. Oktober 2010
Neueste Erkenntnisse aus der Schweiz erhärten den oben geäußerten Verdacht bezüglich einer Verbindung zwischen Angela Merkel und Monty Burns:


Auch nach zigmaligem Ansehen könnte ich mich bei Lettermans Gesichtsausdruck immer noch wegschmeißen vor Lachen, als Obama ihm verrät, dass er bereits vor der Wahl schwarz war:
Obama: Well, first of all, I think it’s important to realize that I was actually black before the election, so…
Letterman: Really? Is this true?
Obama: This is true.
Letterman: How long have you been a black man?
Die ganze Folge (die ich für ziemlich sehenswert und unterhaltsam halte), gibt es auf watch-letterman.com. Jedenfalls zur Zeit, ansonsten ist YouTube euer Freund.
(Entschuldigung, ich habe gerade eine gewisse Freunde an random posts wie diesem. Vor allem, weil dadurch der ganze uralte Kram mal vom Seitenende verschwindet.)
Das dürften sich gestern Abend die Vertreter von CDU und FDP gedacht haben, als das vorläufige Endergebnis der Kinder- und Jugendwahl U18 2009 bekannt gegeben wurde:

Denn wenn es nach dem nicht volljährigen Teil der Bevölkerung ginge, wäre schwarz-gelb so weit von einer Regierungsbeteiligung entfernt wie nie zuvor. Und selbst eine große Koalition wäre keine Option mehr. Dafür mit der Tierschutz-Partei und den Piraten zwei gänzlich neue Parteien im Bundestag.
Die Grünen dürften sich natürlich freuen, nach der SPD zweitstärkste Partei zu sein – für rot-grün würde es trotzdem nicht reichen, ja selbst rot-rot-grün wäre kaum regierungsfähig.
Doch halt, worum geht es überhaupt? Was ist die Jugendwahl U18?
U18 ist die größte politische Bildungsinitiative für Kinder und Jugendliche in Deutschland.
Ihr Ziel ist es, junge Menschen dabei zu unterstützen, Politik zu verstehen, Unterschiede in den Partei- und Wahlprogrammen zu erkennen und Versprechen von Politikerinnen und Politikern zu hinterfragen. Im Vordergrund steht dabei, dass Kinder und Jugendliche ihre eigenen Interessen erkennen und formulieren lernen, selbst Antworten auf politische Fragen finden – und aktiv ihre eigene Lebenswelt mitgestalten.
Höhepunkt des Jugendwahlprojektes U18 ist die U18-Wahl am 18.09.2009, bei der alle Menschen unter 18 Jahren ihre Stimme abgeben können. Die U18-Wahl ist analog zur neun Tage später folgenden, echten Bundestagswahl organisiert.
(Quelle: u18.org)
Gut, ich denke, wer noch mehr dazu wissen will, klickt einfach mal auf die Links und liest sich selber durch die Seiten.
Ansonsten nur noch ein paar Gedanken von mir: Ich finde es ja bezeichnend – wenngleich nicht sehr überraschend – wie schlecht die Union abgeschnitten hat. Dass gleichzeitig die Piratenpartei in den imaginären Bundestag gewählt wurde, macht irgendwie Hoffnung, dass das momentane, verkrustete Parteiensystem sich in Zukunft wandeln könnte.
Bedenklich hingegen finde ich jedoch, dass die NPD unter den Kindern und Jugendlichen ganze 4,2% geholt hat. Bei etwas über 125.000 Stimmen entspricht das über 5000! Wählern. Dass die allermeisten davon aus dem Osten kommen, ist leider kein Vorurteil, sondern Fakt. Im Wahlkreis Zwickau wäre die NPD mit über 20% der dortigen Stimmen sogar zweistärkste Partei.
Hier sehe ich deutlichen Handlungsbedarf für die echte Politik. Es kann doch nicht wahr sein, dass heutzutage in jeder Schulklasse mit 20 Leuten mindestens einer sitzt, der einer rechtsradikalen Partei seine Stimme geben würde!

OH. MEIN. GOTT. Diese drei Worte gingen mir durch den Kopf, als ich am Mittwoch den Kinosaal verließ, wo gerade auf der Leinwand Hitler und seine Schergen ihr Ende in einem gigantischen Feuerball gefunden hatten und der Zweite Weltkrieg bereits 1944 zu Ende gegangen war.
Ich will jetzt hier keine detaillierte Filmanalyse schreiben, ganz einfach weil der Film durch seinen provozierenden Inhalt bereits an andereren Stellen hinlänglich behandelt wurde und ich mir nicht erdreisten will zu behaupten, ich hätte noch Wesentliches und bislang Ungesagtes hinzuzufügen. Deswegen einfach nur mal ein paar Kommentare zu einzelnen Aspekten:
Musik:
Der Soundtrack war auf jeden Fall absolute Spitzenklasse, aber das ist man von Tarantino ja eigentlich schon gewohnt. Auch wenn er die Musik nur von anderen Filmen zusammenklaut, passt hier einfach jeder Song perfekt. Das fängt bei seiner Version von Beethovens Für Elise an und endet bei David Bowies Putting out the fire (with gasoline). Schade, dass es mit dem Oscar vermutlich eher schwierig wird, weil der für die Beste Filmmusik ja meistens als Best Original Score vergeben wird und wir hier ja leider nicht von einem Original sprechen können.
Schauspiel:
Hier kann ich mich nur der allgemeinen Kritik anschließen, die Christoph Waltz alias SS-Standartenführer Hans Landa mit Lob überschüttet und nach dem Oscar schreit. Am Anfang war ich ja etwas skeptisch, da das Schauspiel durch die nie gebrochene Höflichkeit Landas zunächst einmal leicht affektiert wirkt; doch zum Schluss (Stichwort: “Bingo”) war ich von der Leistung einfach nur noch beeindruckt! Dieser Academy Award muss nach Österreich!
Was den Rest angeht, nun gut. Brad Pitt wirkt als Aldo Raine schon überzeugend und hat die gewisse Lässigkeit, die es für die Rolle einfach braucht. Diane Kruger spielt ganz passabel, die Show kann die den Vorgenannten aber nicht stehlen. Genauso verhält es sich mit Mélanie Laurent, die die Rolle der Shosanna zwar glaubwürdig und hinreichend rachelustig spielt, durch ihr konsequentes Französisch aber die Aufmerksamkeit von sich selbst weg auf den Untertitel hin lenkt. Jedenfalls war das bei mir so, denn ich bin besagter Sprache nicht mächtig…
Drehbuch:
Die Story sollte ja hinreichend bekannt sein. Und viel gibt es da auch nicht zu sagen. Klar, das Ganze ist historisch höchst unkorrekt und vermutlich auch nicht gerade realistisch, aber wen interessiert das bitte?! Wer sich “Inglourious Basterds” von Quentin Tarantino anguckt und dann erwartet, dass er ein Stück wahre Geschichte geliefert bekommt, hat doch sowieso einen an der Meise. Der Film unterhält doch gerade weil er eine alternative Vorstellung von Hitlers Ende entwirft und man sich am Ende wie ein Kind am Weihnachtsabend freut, wenn das Kino in die Luft geht und die ganzen elenden Nazis dabei draufgehen. Ich denke mir nur: Wer die achtundrölfzighunderste Darstellung eines gescheiterteten Attentats sehen will, soll sich doch Operation Walküre mit Sektenguru Tom Cruise reinziehen.
Gesamteindruck:
Tja, Tarantino eben. Trashig und mit einer ordentlichen Portion sinnloser Gewalt. Wobei sie hier nicht mal so sinnlos war, immerhin spielt der Film ja im Krieg und diese ganzen “Don’t fuck with me”-Basterd-Charaktere wirken ja nur deshalb so hart, weil sie eben keinerlei Skrupel haben, jemanden mit dem Baseballschläger den Schädel einzuschlagen oder in einer Bar voller Nazis eine Schießerei anzufangen.
Mir hat es jedenfalls gefallen. Klar, auch ich habe einige Kritikpunkte, zum Beispiel fand ich die Kellerlokal-Szene viel zu lang und ab einem gewissen Punkt nur noch nervig. Dafür ist das von einigen Kritikern angestimmte Gejammer, der Film sei nur ein blutig-makabrer Scherz, der das Schicksal der Juden für niedere Zwecke (sprich Unterhaltung) missbraucht, halte ich dagegen für ausgemachten Stuss:
Ich meine, inwiefern wird denn das Schicksal der Juden hier missbraucht? Am Anfang wird eine jüdische Familie erschossen – das dürfte im Dritten Reich aber in der Tat passiert sein. Der restliche Film entwirft dann jedoch ein fiktionales Schicksal, in dem die Juden Rache an ihren Mördern üben, indem sie Hitler und den Rest der Nazi-Schweine zur Hölle schicken. Tut mir leid, aber ich verstehe unter Missbrauch etwas anderes. Missbräuchlich wäre es für mich zum Beispiel gewesen, wenn das Leid der Juden auf irgendeine Art und Weise kommerzialisiert und voyeuristisch zur Schau gestellt worden wäre. “Inglourious Basterds” jedoch bleibt für mich eine Rachephantasie, die allein deshalb schon nicht wirklich missbräuchlich sein kann, weil sie sich gar nicht um die realen Begebenheiten schert. Filme haben schon immer fiktionale Inhalte gehabt, und wer heute Leute ins Kino locken will, muss eben auf die eine oder andere Art provozieren.
Naja, so weit mal meine bescheidene Meinung dazu. Wie gesagt, ich fand den Film gut und würde ihn jedem empfehlen, der es ertragen kann, wenn auf der Leinwand Leute verstümmelt und skalpiert werden (letzeres fand ich selbst nämlich schon ziemlich … widerlich).
So, nach über einem Jahr mit dem alten Layout hatte ich das dringende Bedürfnis nach etwas Neuem auf meiner Startseite. Nachdem ich einige Tage lang verzweifelt auf der Suche nach Inspiration war, ist schließlich das hier herausgekommen. Schlicht, aufgeräumt und garantiert kein Wunderwerk an Kreativität, aber mir gefällt es. Außerdem ist es recht zeitlos, was insofern praktisch ist, als dass ich nicht weiß, wann ich mal wieder dazu komme, ein neues Theme zu basteln.
Das Zitat im Header stammt übrigens aus Mark Twains Christian Science und ist wie immer bewusst ironisch bis zynisch gewählt
Verdammt. Ich wusste ich habe was vergessen. Vorhin dachte ich mir noch: “Heute Abend hast du mal wieder schön Zeit, im ICQ ist ja dank Ferien eh kein Schwein online und im Amerika jammern sie nur alle weil morgen die Schule wieder losgeht, also blogst du mal wieder was!”.
Ja am Arsch. Natürlich war just heute mal wieder jemand im ICQ anzutreffen, und während die Zeit bei Diskussionen darüber, inwieweit Quantentheorie und Relativitätstheorie im Widerspruch stehen, scheinbar nur so dahinflog, habe ich das mit dem Bloggen natürlich mal wieder total verpennt. Jetzt sitze ich hier um halb 12 und weiß jetzt schon genau, dass ich im August nicht mehr fertig werde. Ach was soll’s…
Okay, also endlich nach langer langer Zeit mal wieder was neues von mir. Und diesmal auch kein Filmverriss oder ähnliches Zeug. In den letzten Monaten ist nämlich auch in meinem langweiligen Leben genug passiert, damit es für einen kleinen Blogeintrag hier reichen sollte. Auch wenn ich gestehen muss, dass mir der Witz früherer Einträge abhanden gekommen ist. Schon irgendwie interessant. Durch den Blog kann ich mir ja irgendwie selbst beim Älterwerden zugucken. Vor zwei Jahren, da sprudelte die Kreativität ja nur geradezu aus mir heraus. Okay, damals gab es mit einer gewissen Wette ja auch noch ein konkreteres Thema, das sich halbwegs humorös aufarbeiten ließ. Aber auch die Bildgeschichte hatte einfach dieses gewisse etwas, was ich heute schätzungsweise nicht mehr hinbekommen würde. Anno 2009 bin ich irgendwie auf dem phlegmatischen Punkt angekommen, an dem prinzipiell nur der Weg des geringsten Widerstandes beschritten wird. Nie mehr tun als nötig, aber auch nie weniger. Auch was meine Umwelt angeht, habe ich irgendwie etwas resigniert und reagiere nun weniger zynisch als viel mehr mit Gleichgültigkeit. Für den Blog hier ist das natürlich Gift.
Nur ganz selten glimmt noch so ein letzter Rest der alten Bösartigkeit gegenüber der Welt in mir auf. Neulich zum Beispiel, als ich auf der IKEA-Webseite nach einem Regal suchte. Für meine Bücher. Und dann feststellen muss, dass ich mir für das Geld, das so ein Regal kostet, auch fast einen dressierten Affen leisten kann, der mit den Büchern jongliert, solange ich sie nicht gerade lese. Mal im Ernst, was fällt diesen Wucherern eigentlich ein, 50 Euro für so ein billiges Stück Pressspanscheiße zu verlangen? Und die Schweden sind ja nicht die einzigen, die wohl mehr als nur ein Regalbrett vor dem Kopf haben, das sie irgendwie jeglichen Realitätsbezuges beraubt. Der Baumarkt um die Ecke ist nämlich auch nicht billiger.
Naja, darum ging es eigentlich gar nicht. Es ging um was anderes, was mich zuerst irgendwie erheitert hat, weil ich dachte, dass IKEA mich verarschen will. Und zwar folgender Werbebanner:


(Okay, ich gestehe, ich habe die Werbung auf Deutsch gesehen. Aber da ich zu langsam war, und IKEA in Deutschland offenbar nicht mehr an arme Kinder spendet, konnte ich die Werbung nur noch auf Englisch auftreiben)
Ähm, ja, denkt ihr jetzt vermutlich auch. Erst sagen sie uns, dass Millionen Kinder nach Einbruch der Dunkelheit nichts mehr sehen, und dann wollen sie das Problem mit Solarlampen lösen? So – lar? Wo der Name schon verrät, dass man hier Sonnenlicht braucht?
Natürlich ist das nur die halbe Wahrheit. Wenn man mal genauer nachliest, erfährt man, dass die Lampen Akkus haben, die von der Sonne aufgeladen werden, damit aus den Kindern auch dann helle Köpfen werden, wenn draußen schon kuh Nacht ist. In der deutschen Fassung wurde nämlich gesagt, dass die Kinder die Lampen dazu brauchen, um Hausaufgaben zu machen. Offenbar zieht das bei amerikanischen Möbelhausbesuchern aber nicht. Oder “make homework” war zu sperrig. Vielleicht besteht das amerikanische IKEA-Kundenvolk aber auch aus lauter Hippies, die lieber wollen, dass die Kinder sich kreativ austoben können, anstatt dass sie was lernen. Die zu Ausbäuterpreisen importierte afrikanische Kunst auf der Kommode im Flur ist aber auch verdammt schick o_O.
Unabhänging davon, wie viel Ironie ihr in den obigen Absatz hineininterpretiert, muss ich natürlich sagen, dass ich die Idee ziemlich gut finde. Anderen Leuten helfen ist immer gut, schließlich ist es reines Glück, dass ich jetzt hier sitze und im Schein meiner IKEA-Lampe tippen kann (ich habe ironischerweise wirklich eine Schreibtischlampe aus schwedischen chinesischen Landen, allerdings ein anderes Modell, und in meinem Fall hat beim Kauf der Funzel auch kein armes Kind profitiert) und nicht darauf warten muss, von UNICEF eine solche geschenkt zu bekommen.
Wobei die ganze Aktion natürlich auch Fragen aufwirft. Wenn die für jede gekaufte Lampe eine Lampe spenden, bezahle ich dann in Wahrheit auch zwei Lampen? Natürlich. Die Frage ist also eher: War die Gewinnspanne bei “SUNNAN” vorher so hoch, dass man es sich leisten kann, noch eine Lampe für lau rauszuhauen? Oder wurde der Preis extra für die Aktion angehoben?
A propos Preis. Ich habe ja schon vorhin auf die halsabschneiderische Preispolitik bei besagtem Einrichtungshaus hingewiesen. Denn jetzt muss mir mal jemand erklären, warum die selbe beschissene Lampe in Amerika 19,99 Dollar kostet, während man in Deutschland 17,99 Euro dafür berappen (Achtung Wortspielalarm) muss – bei einem Wechselkurs von 1,43 wohlgemerkt. Deutsche zahlen also de facto mal 4 Euro mehr, wenn sie einem armen Kind helfen wollen, als Amerikaner. Da fragt man sich ja beinahe, ob es Zufall ist, dass die Piraten-Bewegung in Schweden ihren Anfang nahm…
Okay, ähm, andere Baustelle. Die IKEA-Werbung war ja letzten Endes mehr Win als Fail, deswegen hau ich jetzt einfach noch einen Hammer hinterher. Das folgende Bild habe ich selbst geschossen, als ich vorige Woche in Osnabrück war:

Ich würde lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Offen gestanden weigere ich mich zu glauben, dass der Besitzer des Ladens dafür verantwortlich war. Ich meine, nicht nur, dass er angeblich Verbindungskabel für WLAN hat (mein Bruder und ich wollten ja schon rein und fragen, ob er uns eins gegen einen Volleyballschläger eintauscht, aber meine Mutter war nicht so begeistert von der Idee) und Cinch nicht richtig schreiben kann. Er hat ja auch angeblich TAE und Western-Kabel. Zu dumm, dass das eigentlich keine Kabel sind, sondern Stecker. Nein, hier müssen andere Mächte am Werke gewesen sein. Wahrscheinlich ein frustrierter Praktikant oder eine zurückgewiesene Tippse.
Doch selbst wenn dem so war, würde meine Antwort auf die Frage “Würden Sie von diesem Mann einen Gebrauchtwagen kaufen?” eher Nein lauten. Andererseits fällt mir gerade ein… Wenn ich einfach reingegangen wäre und den Mann (oder war es etwas eine Frau?!) freundlich auf die Missstände betreffs der öffentlichen Anpreisung seiner feilgebotenen Waren und Dienstleistungen in Kenntnis gesetzt hätte, hätte ich vielleicht ein paar “Akku’s” umsonst bekommen.
Das ist nämlich noch so was, was mir im Norden aufgefallen ist: Scheinbar kein Mensch weiß, wann man im Deutschen einen Apostroph braucht. Ich meine, ich will hier jetzt nicht einen auf Bastian Sick machen und den Sprachfetischisten raushängen lassen, aber selbst im Firmenlogos und anderen Zeug, das mal durch die Hände eines professionellen Grafikers gewandert ist, findet sich dieser Fehler! Und da will Niedersachsen auf Platz 5 im Bildungsmonitor 2009 stehen.
So, das soll’s jetzt auch schon wieder gewesen sein. Wie angekündigt war der Text hier kein Fest in Bezug auf die kritische Auseinandersetzung mit meiner Umwelt, und sprachlich sowieso stilistisch wurden hier auch keine Tore zu neuen Welten aufgestoßen, aber für einen Sommerloch-lastigen August wird es reichen. Nächsten Monat ist ja Bundestagswahl, da fällt mir bestimmt was ein. Dieser geradezu widerlich-anbiedernde Wahlkampf mit seinem inhaltslosen Geschwätz missfällt mir ja jetzt schon auf äußerste. Und Besserung ist bis zum 27. September ja kaum zu erwarten. Nichtsdestoweniger sage ich jetzt schon mal: Geht wählen wenn ihr dürft!


U18 ist die größte politische Bildungsinitiative für Kinder und Jugendliche in Deutschland.